Fast hundert weiterführende Schulen in Berlin sprechen sich für das „Durchschnittsabitur“ aus.
Foto: dpad/Caroline Seidel

BerlinImmer mehr Schülerinnen und Schüler in Berlin trommeln wegen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen für das „Durchschnittsabitur“: Laut Auskunft des Vorsitzenden des Landesschülerausschusses, Miguel Góngora, sprechen sich inzwischen die Schulsprecher und -sprecherinnen von fast hundert weiterführenden Schulen in Berlin für diese Lösung aus.

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Auch Abiturientinnen und Abiturienten des Fichtenberg-Gymnasiums in Steglitz-Zehlendorf haben Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) in einem offenen Brief dazu aufgefordert, die Prüfungen ausfallen zu lassen und die Abiturnote der Prüflinge auf Grundlage der vier erbrachten Semesterleistungen zu ermitteln.

Schüler fühlen sich im Nachteil

Góngora, selbst Abiturient, sagte, er halte diese Lösung „zunehmend für unausweichlich“. Er fürchtet, dass die Prüfungen die Ansteckungsgefahr erhöhen würden. „Der Senat kann nicht sicherstellen, dass ein Aufeinandertreffen von Schülern ein exponentielles Wachstum von Covid-19-Fällen nicht befördert.“

Auch die Fichtenberg-Schüler argumentierten in ihrem Brief mit der Ansteckungsgefahr und weisen unter anderem auch auf die psychische Belastung für die Abiturienten hin. Viele Schülerinnen und Schüler sorgten sich um ihre Familienmitglieder und litten unter Schlafproblemen und Konzentrationsstörungen: „Diese Faktoren beeinträchtigen unsere Lernfähigkeit enorm und haben somit schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Abiturvorbereitung.“ Die Schüler fühlen sich im Vergleich zu anderen Abiturjahrgängen im Nachteil.

Kultusministerkonferenz: Abiturprüfungen finden statt

Die Position der Senatsbildungsverwaltung bleibt bislang unverändert: Die neuen Prüfungstermine nach den Osterferien sollen eingehalten werden. Scheeres gehe davon aus, dass die Prüfungen auch durchgeführt werden könnten, wenn die Schulen nach den Osterferien noch geschlossen bleiben sollten, sagte ein Sprecher am Dienstag. In leeren Schulen wäre der Sicherheitsabstand kein Problem, auch für genügend Aufsichtspersonal sei gesorgt. „Wir nehmen die Sorgen der Schüler natürlich ernst, andererseits fühlen wir uns auch verpflichtet, uns an die gemeinsamen Absprachen der Länder zu halten“, so der Sprecher.

Am Mittwoch in der vergangenen Woche hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossen, dass die Abiturprüfungen trotz der Coronakrise stattfinden sollen – und damit Schleswig-Holstein zurückgepfiffen, das am Tag zuvor als erstes Bundesland angekündigt hatte, die Abiturprüfungen ganz ausfallen zu lassen. Dort beginnen die Sommerferien wie in Berlin bereits Ende Juni.

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„Notabitur“ bleibt Plan B

Auch im Hause Scheeres ist das „Notabitur“ ohne Prüfungen allerdings längst Plan B, wie aus einem Statement der Senatorin in Reaktion auf die später zurückgenommene Ankündigung aus Schleswig-Holstein deutlich geworden ist. Daran ändert auch der KMK-Beschluss nichts – Berlin bleibt bis zum Beginn der Sommerferien ein viel kürzerer Zeitraum zur Durchführung der Prüfungen als anderen Bundesländern.

Sollte die Kontaktsperre länger andauern, wird es eng – die Vereinigung der Berliner Oberstudiendirektoren warnte schon in der vergangenen Woche vor einem nur teilweise „durchgeprüften“ Abiturjahrgang. Wann Scheeres’ Stichtag für eine Entscheidung für oder gegen Abschlussprüfungen ist, ist allerdings nicht klar. Aus der Senatsbildungsverwaltung war nur zu hören, dass man mit einer eventuellen Absage nicht bis zum Ende der Osterferien warten wolle.