Berlin -  Am Montag beginnen die Berliner Sommerschulen. Für jeweils zwei Wochen haben Schüler dort die Möglichkeit, einen Teil der Lernrückstände aufzuholen, die durch das Corona-Jahr entstanden sind. Es gibt die „Kleine Sommerschule“ für Schüler, die die Klassen 1-3 und 7-8 besuchen, und die „Große Sommerschule“ für Schüler der Oberstufenklassen.

Pro Tag wird es drei Stunden Unterricht in den Hauptfächern geben. Das Angebot wendet sich vor allem an Kinder aus zugewanderten und sozial schwachen Familien. Aber im Prinzip sind alle, die durch die Pandemie in eine schulische Schieflage geraten sind, willkommen. Bei Interesse können sich Schüler und Eltern im Sekretariat ihrer Schule melden.

Die Schulen entscheiden selbst, ob die Sommerschulen in ihren Räumen am Anfang, in der Mitte oder am Ende der großen Ferien stattfinden. Durchgeführt werden sie meist von Honorarkräften, die sich mit den Fachlehrern der Schulen abstimmen. Die berlinweite Koordination übernimmt die Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (TJFBG).

Bei den Sommerschulen war Berlin Vorreiter

Zunächst einmal: Die Einführung der Sommerschulen war 2020 eine Pionierleistung der Berliner Bildungsverwaltung. Viele andere Bundesländer sind dem Beispiel gefolgt. In nur vier Wochen hatte man ein großes Programm aus dem Boden gestampft und damit 9000 Schüler erreicht. Doch schon damals gab es organisatorische Schwierigkeiten. Manche Schüler standen vor verschlossenen Türen, weil Bildungsträger kurzfristig abgesprungen waren. Für andere wurden erst gar keine Träger gefunden, die Privatschulen wurden in dem Programm nicht berücksichtigt.

In diesem Sommer fehlen offenbar 1000 Plätze. Wie die Morgenpost berichtet, können von 600 vorgesehenen Gruppen nur 500 unterrichtet werden. Pro Gruppe gibt es zehn Plätze, sodass nur 5000 Plätze angeboten werden.

Die Berliner Zeitung hat bei zehn Schulen angerufen, um zu erfragen, wie viele Plätze sie jeweils anbieten und was mit den Schülern geschieht, die leer ausgehen? Doch keine der angesprochenen Schulleitungen wollte sich dazu äußern.

Der Bedürftigkeit ist viel größer als das Angebot

Dass das Angebot kleiner ausfällt als im vergangenen Jahr, ist bedauerlich. Denn die Schulen waren in diesem Jahr noch länger geschlossen als im Vorjahr. Experten schätzen, dass etwa 20 Prozent der Schüler gravierende Lernrückstände haben. Bei rund 360.000 Schülern an den allgemeinbildenden Schulen Berlins würden also rund 72.000 grundsätzlich für das Programm der Ferienschulen – im Sommer, Herbst, Winter und Frühjahr – infrage kommen. 5000 Plätze, das wirkt im Vergleich wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ein Sprecher der Senatsverwaltung spricht nicht von 5000, sondern von bisher 7400 Plätzen. „Wohl kaum ein anderes Bundesland bietet permanent so viele Plätze in der Ferienschule an“, teilt der Sprecher mit. „Immerhin 7400 Plätze werden im Sommer angeboten. Im Jahr 2020 wurden in der Sommer- und Herbstschule etwa 15.000 Schülerinnen und Schüler gefördert. Im Jahr 2021 wurden in der Winterschule 2485 und in der Frühjahrsschule 3529 Schülerinnen und Schüler gefördert. Für die Sommer- und Herbstschule stehen nochmals 14.800 Plätze zur Verfügung. Dies bedeutet, dass im Jahr 2021 bis zu 20.800 Schülerinnen und Schüler teilnehmen können. Das sind deutlich mehr Schüler als im Vorjahr.“

Während die Große Sommerschule durch den Europäischen Sozialfonds finanziert wird, muss die Kleine Sommerschule aus Landesmitteln bezahlt werden. Und im Moment fehlt es an Geld, um das Programm auszuweiten. Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP, fordert die Schulsenatorin auf, „das Problem unverzüglich zu lösen und die Sommerschule endlich auf einen soliden und fairen Weg für alle Träger sowie Schülerinnen und Schüler zu bringen.“