Schon bei der Einschulung wird auf die richtige Grundschule geachtet. 
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BerlinIm laufenden Schuljahr gab es laut Auskunft der Bildungsverwaltung rund 12.100 Anträge auf einen Grundschulwechsel bei Erstklässlern, bei rund 29.000 ABC-Schützen insgesamt. Das ergab eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz, schulpolitische Sprecherin der Grünen. 

Vergleicht man die Zahl der Anträge mit der Gesamtzahl der Erstklässler in den einzelnen Bezirken ab, zeigt sich: In Charlottenburg-Wilmersdorf, der Bezirk mit den wenigsten Erstklässlern in diesem Schuljahr (1859), wohnen mit Abstand die wechselfreudigsten Eltern. Hier wollten mehr als zwei Drittel der Eltern eine andere Grundschule als die, die ihrem Kind nach dem sogenannten Einzugsschulprinzip zugewiesen worden ist.

Die hohe Quote überraschte zunächst auch die zuständige Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD). Eine mögliche Erklärung sieht sie in der sozialen Zusammensetzung des Bezirks: „Wir haben in Charlottenburg-Wilmersdorf mobile Eltern, die sich intensiv mit der Bildung ihrer Kinder beschäftigen und daher auch die gesamte Schullandschaft des Bezirks gut kennen und ausnutzen.“ Doch auch in anderen Bezirken waren Eltern unzufrieden mit der ursprünglichen Grundschule ihrer Kinder.

Die wechselfreudigsten Eltern wohnen in Charlottenburg. 
Grafik:  BLZ/ Galanty 

Spandau und Marzahn-Hellersdorf: Wechselantrag nur für jedes vierte Kid

In Mitte, Steglitz-Zehlendorf und Neukölln wurden für gut die Hälfte der dort lebenden Erstklässler Anträge auf Aufnahme in eine andere Grundschule gestellt. In Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Pankow, Lichtenberg und Reinickendorf hatten vier von zehn Erstklässler-Eltern eigene Vorstellungen. Die „zufriedensten“ Eltern leben in Spandau und in Marzahn-Hellersdorf, wo nur für jedes vierte Kind ein solcher Antrag eingereicht worden ist.

Nach dem Berliner Schulgesetz sind die Bezirke dafür zuständig, allen in ihrem Zuständigkeitsbereich wohnenden Kindern eine nahe gelegene Grundschule zuzuordnen, nach dem Prinzip „Kurze Beine, kurze Wege“. Kinder bekommen also idealerweise an einer Grundschule einen Platz, in deren Nähe sie leben. Die jeweils gültigen Einzugsbereiche legen die Bezirke fest, die dabei aber neben der Wohnortnähe auch Kriterien wie die Kapazitäten der einzelnen Schulen berücksichtigen.

Die hohe Zahl der Wechselwünsche, die auch im vergangenen Schuljahr nur unwesentlich geringer war, zeigt allerdings, dass viele Eltern mit den zugeteilten Schulen nicht zufrieden sind. Die Gründe dafür seien vielfältig, heißt es aus der Bildungsverwaltung, und kein Grund, das Einzugsschulprinzip grundsätzlich anzuzweifeln. Dessen Abschaffung hatte im August die FDP-Abgeordneten Maren Jasper-Winter gefordert. Das bestehende System bezeichnete sie als einen „Wanderzirkus zu Lasten aller“.

Verschiedene Gründe für den Schulwechsel

Olaf Werner, Anwalt für Schulrecht, bestätigt aus der Praxis, dass Eltern aus ganz verschiedenen Gründen einen Schulwechsel wollen: Manche wünschten sich für ihr Kind eine Schule mit einem bestimmten Profil, wollten ihr Kind nicht an eine gebundene Ganztagsschule schicken oder seien mit der sozialen Mischung der ihnen zugeteilten Schule nicht zufrieden.

„In diesem Schuljahr hat auch eine Rolle gespielt, dass erstmals den Gemeinschaftsschulen Einzugsbereiche zugeteilt wurden“, sagte Werner. Burkert-Eulitz, die Initiatorin der aktuellen Anfrage, verweist darauf, dass mit rund 7400 Anträgen zwei Drittel der Wechselanträge in diesem Schuljahr bewilligt werden konnten: „Die Schulämter können und wollen Elternwünsche erfüllen“, sagte Burkert-Eulitz – wenn der nötige Platz vorhanden sei. In Friedrichshain gebe es beispielsweise Sozialräume, wo die Schulen so voll seien, dass man dort kein Kind mehr unterbringen könne.