Berlin - Dass die deutschen Schulen viel weniger Freiheiten haben als die staatlichen Schulen in anderen europäischen Ländern, ist bekannt. Sie sind im Grunde nur als ausführende Organe der Schulverwaltung organisiert – und ihre Leitungen können weder über ihr Budget noch über ihr Personal autonom entscheiden. Deshalb strahlen viele Kollegien leider nicht den Tatendrang und den Unternehmergeist aus, den sie ausstrahlen könnten. Das Potenzial hätten sie, allein es fehlt die Ermutigung und der Spielraum für die eigene Gestaltung.

In Berlin hat man vor einigen Jahren ein gutes Instrument eingeführt, um den Schulen zu etwas mehr Autonomie zu verhelfen – den sogenannten Verfügungsfond. Jede Schule bekam ein bescheidenes eigenes Budget, mit dem sie zum Beispiel Fortbildungen, zusätzliche Lernangebote und Ausstattungsgegenstände finanzieren konnten. Doch der aktuelle Haushaltsentwurf sieht vor, diesen Verfügungsfond um zehn Millionen und damit bis zur Unkenntlichkeit zusammenzustreichen. Schulleiter gingen auf die Barrikaden, und nun hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh angekündigt, dass er die Kürzungen zurücknehmen und damit den Verfügungsfond retten möchte.

Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht für Berlins Schulen – doch kann es sein, dass dieses Zugeständnis die städtische Bildungscommunity pazifizieren soll, damit sie die größere Kürzung dann widerspruchslos hinnimmt. Die Rede ist von den rund 136 Millionen, die beim Berliner Schulbau eingespart werden sollen. In einer Zeit, in der die neue Flüchtlingskrise den Schulplatzmangel dramatisch verschärft, müssen alle ursprünglich vorgesehenen Ressourcen unbedingt zur Verfügung gestellt werden. In den vergangenen Jahren wurde viel geplant, jetzt beginnt an zahlreichen Standorten die Phase des Bauens. Die neuen Schulplätze sind in greifbare Nähe gerückt – aber nur dann, wenn die 136 Millionen weiterhin fließen.