Drei Lehrjahre gehen für Maja Maier in diesen Tagen zu Ende. Die 19-Jährige hat eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert. Wie es für sie nach dem Abschluss weitergehen soll, darüber hat sich Maja schon vor Monaten Gedanken gemacht – und ihren Chef darauf angesprochen, ob sie vom Betrieb übernommen wird.

„Das hat sie richtig gemacht“, sagt Berufscoach Bettina Schöbitz. Der Auszubildende muss nicht abwarten, ob ihm der Betrieb die Übernahme anbietet. „Es hat mit Selbstverantwortung zu tun, sich um seine berufliche Zukunft zu kümmern“, so Schöbitz.

Die Phase vor Abschluss der Lehre ist ihr zufolge genau die richtige Zeit, ein Resümee zu ziehen: „Bin ich mit dem Herzen dabei? Ist es der richtige Beruf? Bietet die Firma mir Perspektiven? Das sind Fragen, die sich ein Azubi zu diesem Zeitpunkt stellen und beantworten sollte“, rät der Coach. Denn nun sei ein Ziel – der Berufsabschluss – erreicht. „Es ist dann nötig, die nächsten Schritte zu planen und die Joblaufbahn danach auszurichten.“

Werde ich übernommen?

Die berufliche Übergangsphase ist für so manchen Azubi von der Frage, ob er übernommen wird, begleitet. Bei vielen ist das nicht der Fall: Ungefähr ein Drittel der Ausgelernten muss sich arbeitslos melden. Das besagen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung im „Berufsbildungsbericht 2011“. Das bedeutet, dass 92.878 von 273.915 Auszubildenden nach der Abschlussprüfung den Weg zur Agentur für Arbeit antraten.

Majas Rezept, sich rechtzeitig um die berufliche Zukunft zu kümmern, ist daher in jedem Fall richtig. Sie selbst erfuhr so schon früh, dass das Unternehmen, in dem sie ihr „Handwerk“ als Bürofachkraft gelernt hat, ihr keine Anstellung würde bieten können. Maja bewarb sich bei anderen Firmen.

In den Unterlagen der Azubis befinden sich nach abgeschlossener Lehre drei Zeugnisse, die allesamt für den weiteren Berufsweg wichtig sind: Zum einen stellt die Berufsschule ein Zeugnis aus, in dem die Ergebnisse des schulischen Teils der dualen Ausbildung festgehalten werden. Zum anderen gibt das Arbeitszeugnis Aufschluss darüber, wie sich der Azubi im Betrieb gemacht hat. Außerdem stellt beispielsweise die Industrie- und Handelskammer ein Abschlusszeugnis aus. Hierin finden sich die genaue Berufsbezeichnung und die Prüfungsergebnisse. Dieses Dokument bescheinigt den Berufsabschluss.

Die Zukunft im Ausbildungsbetrieb

Um Jobausschreibungen und Bewerbungsunterlagen musste sich Heiko Richter nicht kümmern: Sein Ausbilder hatte dem angehenden Maler rechtzeitig signalisiert, dass er sich freuen würde, ihn als Gesellen zu übernehmen. Das hielten beide schriftlich fest. Heiko, der darauf brannte, sich ein eigenes Auto zu kaufen, stellte sich eine andere Frage: „Ab wann verdiene ich endlich mehr?“ Denn laut Vertrag endete seine Lehre am 31. Juli. Doch da lagen die Prüfungen schon einige Wochen hinter ihm. Ist er schon danach als Geselle zu betrachten – und zu entlohnen? Das Berufsbildungsgesetz liefert hier Klarheit: Die Ausbildung endet demzufolge an dem Tag, an dem die Prüfungsergebnisse mitgeteilt werden, nicht an dem Datum, das im Ausbildungsvertrag steht.

Wäre Heiko durchgefallen, hätte sich seine Lehre übrigens nicht automatisch verlängert. Der Azubi darf in solchen Fällen eigenmächtig entscheiden, ob er die Ausbildung fortsetzen und zum nächsten Examenstermin antreten will. Ein Jahr lang ist der Betrieb verpflichtet, den Vertrag mit dem Azubi zu verlängern und ihm die Möglichkeit zu bieten, die Ausbildung abzuschließen.

Einen rechtlichen Anspruch auf Übernahme hat im Übrigen kein Lehrling. Bleibt er im Betrieb, kann die Weiterbeschäftigung befristet oder unbefristet erfolgen. Der ehemalige Azubi erhält dann einen entsprechenden Arbeitsvertrag.