Deutscher Schulpreis: Berliner Havelmüller-Schule gewinnt 30.000 Euro

Überraschend gut: Wie eine kleine Grundschule aus Tegel einen der fünf großen Schulpreise des Landes gewinnen konnte!

Großer Jubel: Die Havelmüller-Grundschule aus Tegel ist mit einem der Schulpreise ausgezeichnet worden. Wert: 30.000 Euro.
Großer Jubel: Die Havelmüller-Grundschule aus Tegel ist mit einem der Schulpreise ausgezeichnet worden. Wert: 30.000 Euro.Max Lautenschläger/Robert-Bosch-Stiftung

Am Mittwoch ist in Berlin der Deutsche Schulpreis verliehen worden. Es ist der anspruchsvollste und renommierteste Preis im Bereich Bildung und Schule. Und fast fühlt sich die Verleihung an wie eine kleine Oscar-Gala, denn schon am Vortag reisen viele wichtige Player der Bildungsbranche aus allen Teilen der Republik in die Hauptstadt, um sich an diesem Tag ein Stelldichein zu geben.

Man hat auch ein schönes Logo und einen passenden Pokal erfunden: einen geflügelten Schülerstuhl – also einen grünen Stuhl, der aussieht wie Schülerstühle in Deutschland nun mal aussehen – mit großen grünen Schwingen an der Seite. Auf dass diejenigen, die lehren und lernen, im Unterricht abheben und in höhere Sphären aufsteigen können. Der Pokal nimmt dieses Motiv auf: Über einer großen Kugel aus Holz oder aus purem Silber schwebt dieser geflügelte Stuhl.

Ausgelobt wird der Preis von der Robert-Bosch-Stiftung, der Heidehof-Stiftung, der ARD und der Zeit-Verlagsgruppe. Der Hauptpreis ist mit 100.000 Euro dotiert, vier weitere Preise mit je 30.000 Euro, die restlichen Nominierten bekommen einen Anerkennungspreis von je 5000 Euro.

An diesem Mittwoch findet die Preisverleihung im E-Werk statt, in Berlin-Mitte. Sie hat Showcharakter und wird als Livestream via YouTube übertragen. Für einen Hauch von Glamour sorgt die Anwesenheit der Prominenten aus Politik und Gesellschaft, die die Namen der Preisträger aus einem goldenen Umschlag ziehen und anschließend eine kleine Laudatio verlesen dürfen.

Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer sind ja in der Tendenz uneitle Menschen, die im Verborgenen wirken – oder vor einem überschaubaren Publikum. Es tut ihnen aber sichtlich gut, dass ihre Leistungen hier einmal auf großer Bühne gewürdigt werden.

Eigentlich sollte diesmal der Bundeskanzler Olaf Scholz den Hauptpreis verleihen. Da er gerade durch eine Corona-Erkrankung außer Gefecht gesetzt ist, hat die Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger dieses Amt übernommen.

Bundeskanzler Scholz: Gute Schule müssen sichtbarer werden

Ausdrücklich übermittelt sie die Grüße des Kanzlers, es sei ihm ein großes Anliegen, dass die besten und innovativsten Schulen in Deutschland mehr Sichtbarkeit bekommen. Der Deutsche Schulpreis, der seit 16 Jahren verliehen wird und inzwischen fast 100 Preisträger gewürdigt hat, trägt viel dazu bei, diese Sichtbarkeit zu fördern und die Beispiele guter Schulpraxis in die Breite zu tragen.

Der diesjährige Wettbewerb stand unter dem Motto „Unterricht besser machen“. 81 Schulen haben sich insgesamt beworben, 15 Schulen sind nach Besuchen einer Experten-Jury für den Preis nominiert worden und mit jeweils fünf Vertretern zur Preisverleihung nach Berlin eingeladen worden.

In diesem Jahr sind gleich zwei Schulen aus Berlin nominiert. Das Otto-Nagel-Gymnasium in Biesdorf erhält einen Anerkennungspreis für die Fortschritte bei der Digitalisierung und eine originelle Form der Begabungsförderung.

Die Havelmüller-Grundschule in Tegel Süd wird mit einem der großen Preise im Wert von 30.000 Euro ausgezeichnet. Die Jury lobt die Schule als besonderen „Lern- und Lebensort“ und das Konzept der vier Lernhäuser. „Der Unterricht zielt darauf ab, die Schüler und Schülerinnen zum selbstständigen Lernen zu befähigen, ihre sozialen Kompetenzen zu entwickeln und eine demokratische Schulkultur zu entwickeln.“

Eine Besonderheit der Schule sei außerdem der fest im Stundenplan verankerte Projektunterricht, der vom sogenannten „Havelseminar“ entwickelt wird, einer Gruppe von zehn Lehrkräften, die kontinuierlich an der Unterrichtsentwicklung arbeiten.

Bettina Stark-Watzinger zwischen Vertretern der Gewinner-Schule. Es ist das Regionale Berufliche Bildungszentrum Müritz in Waren.
Bettina Stark-Watzinger zwischen Vertretern der Gewinner-Schule. Es ist das Regionale Berufliche Bildungszentrum Müritz in Waren.dpa/Britta Pedersen

Gaby Plachy, die vor 18 Jahren die Leitung dieser Grundschule in herausfordernder Lage übernommen hat, freut sich sehr über den Preis. Sie sagt, ihr großes Ziel sei es, allen Kindern gerecht zu werden. Und dazu müsse man den Unterricht anders gestalten, als es bisher der Fall war.

Den Hauptpreis in Höhe von 100.000 Euro erhält das Regionale Berufliche Bildungszentrum Müritz aus Mecklenburg-Vorpommern. In der Laudatio steht, dass es die Schule versteht, ihre Schüler konsequent auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorzubereiten. Die Jury, die vor Ort war und sich von der entspannten, professionellen und konzentrierten Lernatmosphäre überzeugen konnte, urteilt: „Man hat das Gefühl, an einer Universität zu sein, nicht an einer Schule.“

Die drei anderen großen Preise erhalten die Deutsche Europäische Schule Singapur, die IGS Buchholz und das Placida-Viel-Berufskolleg aus Menden. Man sieht, dass die Jury sich bemüht hat, die verschiedenen Schultypen und Bundesländer bei der Auswahl zu berücksichtigen.

Die Preisverleihung markiert für die Protagonisten der prämierten Schulen den Eintritt in eine neue Phase: Sie werden Teil des dynamischen Netzwerkes der Deutschen Schulakademie. Ihre Konzepte werden auf dem Deutschen Schulportal beschrieben. Und sie bekommen Gelegenheit, ihre Einsichten in Seminaren und Hospitationen an andere wissbegierige Kollegen weiterzugeben.