Auch ein hübsches Ausstellungsstück: großer Rubik-Würfel im Bahnhof von Lüttich.
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Berlin40 Jahre ist es her, da war plötzlich ein kleiner, bunter Würfel in aller Munde. Das dreidimensionale Geduldsspiel nannte sich Rubik’s Cube (Zauberwürfel), die Lösung trieb Spieler massenweise zur Verzweiflung. In Deutschland startete der Verkauf am 2. Juni 1980.

Erfinder des Würfels war der Ungar Ernö Rubik, Architekturprofessor aus Budapest. Bereits 1974 hatte er das knapp sechs Zentimeter große Drehpuzzle entwickelt, um das räumliche Denkvermögen seiner Studenten zu trainieren. „Niemand hätte gedacht, dass der Cube so beliebt wird. Er ist ein verbindendes Element, das geografische Grenzen genauso übersprungen hat wie Sprachbarrieren. Jeder kann ihn verstehen“, freut sich Rubik.

Sein erster Entwurf bestand aus kleinen Holzblöcken, die untereinander mit elastischen Bändern verbunden waren. Da sie jedoch leicht rissen, experimentierte er auch mit Magneten und einem Schienen-System. Doch auch diese Materialien waren ungeeignet. Schließlich kam er auf die Idee ein Mittelstück aus Kunststoff zu verwenden, um das Kanten- und Eckstücke verschoben werden konnten. Besonders lange tüftelte Rubik an dem inneren Mechanismus mit abgerundeten Formen und der exakten Balance zwischen fest und locker.

Der ungarische Erfinder Ernö Rubik im vergangenen Jahr in Moskau.
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Der dreidimensionale Würfel besteht aus insgesamt 26 einzelnen Steinen, sechs in der Mitte, zwölf an den Kanten und acht an den Ecken. Jede der sechs verschiedenfarbigen Seiten mit neun Steinen zeigt in der Grundstellung eine einheitliche Farbe. Nach zufälligem Verdrehen des Würfels besteht die Lösung des Puzzles darin, wieder sechs einfarbige Seitenflächen herzustellen. Was auf den ersten Blick einfach erscheint, entpuppt sich als äußerst kompliziert, denn für die Position der Steine gibt es mehr als 43 Trillionen mögliche Kombinationen.

Schon bald erfreute sich der Würfel auch außerhalb der Universität großer Beliebtheit. 1975 meldete Rubik sein „mechanisches Puzzle“ in Budapest zum Patent an, das ihm im Oktober 1976 gewährt wurde. Anfang 1977 kamen erste Rubik-Würfel in den Handel – vorerst jedoch nur in Ungarn. Die Zahl begeisterter Anhänger im Land wuchs schnell, überall in Schulen, Straßenbahnen und Cafés waren Zauberwürfel-Spieler zu sehen. Ungarische Patente durften damals nicht ohne weiteres in den Westen verkauft werden. Dennoch wurde Ende 1979 der britischen Firma „Pentangle“ ein Exemplar zugesandt, die eine Lizenz für Großbritannien erwarb. An einen großen wirtschaftlichen Erfolg glaubte kaum jemand.

Zu abstrakt, zu kompliziert? Von wegen!
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Anfang 1980 wurde Rubik’s Cube auf der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellt, kurz darauf auch in London, Paris und New York. Interessenten waren von dem Würfel zwar beeindruckt, er schien jedoch zu abstrakt, kompliziert und intellektuell – und daher wenig massentauglich. Zudem fürchteten mögliche Produzenten, dass seine Herstellung schwierig und teuer werden würde.

Dennoch reisten Vertreter der amerikanischen „Ideal Toy Corporation“ nach Budapest und erwarben von der ungarischen Regierung nach fünftägigen Verhandlungen die weltweiten Vertriebsrechte. „Sie rechneten mit einer Million verkaufter Cubes im ersten Jahr. Das war eine optimistische Einschätzung – und ein Riesenfehler zugleich. Denn tatsächlich verkauften sie weltweit 30 Millionen Cubes im ersten Jahr“, erinnert sich der inzwischen 75-jährige Rubik.

Das Problem der Spielzeugindustrie in den ersten zweieinhalb Jahren war nicht, das mechanische Geduldsspiel zu verkaufen, sondern es geliefert zu bekommen. Die Nachfrage stieg rasant von einer Million auf zwei und dann auf fünf. 1981 explodierte sie exponentiell und „Ideal Toy“ konnte nicht genug Würfel herstellen. Billige Nachahmungen aus Fernost überschwemmten den Markt.

Der Erfinder

Im Gegensatz zu anderen Erfindern aus dem damaligen Ostblock wie dem Russen Alexei Paschitnow, der für die Entwicklung des Videospiels Tetris jahrelang keinen Rubel sah, soll Rubik im Spielebereich der erste Dollarmillionär hinter dem Eisernen Vorhang geworden sein.
Dazu meinte er einmal schmunzelnd: „Von dem Geld habe ich mir lediglich einen Golf I gekauft.“

1983 machte er sich selbstständig und entwarf Möbel und Spiele, zurzeit arbeitet er als Professor hauptsächlich an der Entwicklung von Videospielen sowie auf dem Gebiet der Architektur.

Die später von ihm erdachten mathematischen Brettspiele und mechanischen Geduldsspiele wie Rubik’s Magic oder Rubik’s Tangle konnten allerdings nie an den Erfolg des Würfels anknüpfen.

Vor allem Jugendliche litten damals unter dem berüchtigten „Rubik-Arm“, nachdem sie stunden- und tagelang ununterbrochen gespielt hatten. Verzweifelte Spieler suchten mitunter wochenlang nach einer Lösung. In Zeiten vor dem Internet präsentierte das Magazin „Der Spiegel“ im Januar 1981 einem breiten Publikum einen Lösungsweg, bei der drei Ebenen des Würfels nacheinander geordnet werden.

Im Herbst des Jahres berichtete auch das DDR-Fernsehen über den Boom. Ungarn-Korrespondent Bernd Niestroj sprach im Wissenschaftsmagazin „Aha“ von einer neuen „Massenkrankheit“, die von den beliebten bunten Würfeln ausgelöst worden sei. Bereits im selben Jahr fand der Zauberwürfel seinen Weg als Ausstellungsstück ins New Yorker Museum of Modern Art. 1982 nahm das Wörterbuch „Oxford English Dictionary“ den Begriff „Rubik’s Cube“ auf. Da war der Höhepunkt des Hypes um den Würfel bereits erreicht und der Markt brach ein – wie die New York Times vermutete, wegen der aufkommenden Videospiele.

Die Zeit läuft: Teilnehmer eines Speedcubing-Wettbewerbs in Russland.
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Schon seit vielen Jahren gibt es um den Zauberwürfel verschiedene Wettbewerbe. Die erste Weltmeisterschaft zum Lösen des Würfels fand bereits 1981 in München statt. Beim sogenannten Speedcubing werden von der World Cube Association (WCA) Landes-, Kontinental- und Weltmeisterschaften ausgetragen. Der aktuelle Weltrekord liegt bei sagenhaften 3,47 Sekunden und wurde 2018 von dem Chinesen Yusheng Du aufgestellt. Den Rekord für eine Lösung mit nur einer Hand hält seit letztem Oktober mit 6,82 Sekunden der Amerikaner Max Park. Beim „Blindfold Cubing“ mit verbundenen Augen prägen sich die Teilnehmer zuvor die verdrehte Würfelstellung ein, die Bestmarke liegt hier zurzeit bei 15,5 Sekunden, aufgestellt im letzten Jahr von Max Hilliard aus den USA.

Die meisten Spieler nutzen verschiedene Algorithmen. Seit Anfang der 80er-Jahre sind führende Mathematiker weltweit auf der Jagd nach etwas, das sie etwas hochtrabend „God’s Number“ nennen. Diese Gotteszahl gibt die maximal benötigte Anzahl von Zügen an, mit der ein Zauberwürfel aus jeder beliebigen Stellung in seine Ausgangslage zurückgedreht werden kann. Im Juli 2010 bewies der amerikanische Informatiker Tomas Rokicki mit drei Kollegen und gewaltigem Rechenaufwand, dass bei richtiger Strategie nie mehr als 20 Züge notwendig sind.

Rubik’s Cube ist eines der meistverkauften Spielzeuge der Welt. Bis heute gingen schätzungsweise 350 Millionen Stück über die Ladentheken.