Abitur auf Abstand: Auch während der Prüfungen gelten die Hygieneregeln. 
Foto dpa

BerlinDieser Konflikt ist nicht durch krumme Touren und halbe Sachen aus der Welt zu schaffen: Das Abitur und andere schulische Abschlüsse müssen für alle Schülerinnen und Schüler bundesweit gleichermaßen stattfinden. Die Prüfungen ausfallen zu lassen und den Corona-Jahrgang mit epidemiegeschwächtem Notabitur zu entlassen, wäre keine Lösung, sondern eine Flucht. Im ungünstigsten Fall begleitet der Makel den jetzt davonkommenden Prüfling das Leben lang als Nachteil.

Das Abitur  wird erteilt, wenn die Matura, also die Reife für ein Hochschulstudium bewiesen ist. Bestehen macht stolz. Die Prüfungen als Extra-Schikane in ohnehin schwieriger Lage zu deuten, führt in die Irre.

Viele Tausend Schülerinnen und Schüler sind unverschuldet in eine komplizierte Lage geraten. Alle ihre Sorgen – die Angst vor Infektionen, die psychische Belastung in der unsicheren Situation – sind real und ernst. Selbst wenn die eigene Familie nicht direkt betroffen ist, versteht man die Qualen der jungen Leute und ihrer Eltern sofort.

Vertrauen in die Prüfenden

Ja, es ist hart. Obendrein empört in der Krise die ewige Grundkatastrophe des Bildungssystems doppelt: Wer aus einer ärmeren Familie kommt, bleibt mit den geringeren Chancen noch weiter zurück. Wo zu Hause kein ruhiger Lernraum, keine geeignete Technik, kein Wlan, wenig Förderung sind, da sinken die Aussichten auf den guten Abschluss.

Das Virus macht das Grundversagen der Politik umso deutlicher. Gleichwohl bleibt in der akuten Lage nur der Weg über klare Ansagen, die für alle gelten. Und dann sind da noch die prüfenden Lehrer: mitfühlende Menschen, die Fähigkeiten wie Nöte der ihnen anvertrauten jungen Leute kennen. Es ist zuletzt an ihnen, fair über jeden Einzelnen zu urteilen.