BerlinBildungssenatorin Sandra Scheeres hat auf die steigenden Infektionszahlen an Schulen reagiert: Ab Mittwoch dieser Woche gilt an allen weiterführenden Schulen Berlins eine generelle Maskenpflicht. Die Schülerinnen und Schüler sind dann gehalten, sowohl im Unterricht als auch während der Pausen auf dem Schulhof einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Außerdem soll es einen versetzten Schulbeginn geben, damit sich die Schüler nicht bei der morgendlichen Anreise in Bussen und U-Bahnen drängeln.

„Wir stärken mit diesen Maßnahmen den Gesundheitsschutz für Schülerinnen und Schüler sowie für das gesamte Dienstpersonal an unseren Schulen.“ Dies sei ein wichtiger Schritt, um „den Regelunterricht unter Pandemie-Bedingungen aufrechterhalten zu können“, sagte Sandra Scheeres am Freitag. Dabei betonte sie, dass die neuen  Maßnahmen auch für jene weiterführenden Schulen gelten, die nach dem Berliner Stufenplan auf den Stufen Grün oder Gelb stehen.

Vergangene Woche hat der Berliner Senat über die Bezirke 480.000 Mund-Nasen-Bedeckungen  für die Schulen zur Verfügung gestellt. Die Auslieferung weiterer Kontingente soll Mitte dieser Woche erfolgen.

Die Maske soll nun auch auf allen schulischen Freiflächen getragen werden. Wenn allerdings der Mindestabstand von 1,5 Metern gehalten werden kann, darf draußen die Maske auch mal abgelegt und durchgeatmet werden.

Wie der versetzte Schulbeginn genau aussehen soll, sollte am Montag im Hygienebeirat der Senatsverwaltung beraten werden. Schulpraktiker sehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Umsetzung: durch die Änderung des Stundenplans und durch ein rollierendes System der Stundenkürzung am Anfang des Tages. 

Karin Schallbruch, die stellvertretende Leiterin des Heinz-Berggruen-Gymnasiums im Westend, sagte, sie wollte auf den Beschluss des Senats warten. Die Schulleitung hätte über das Wochenende aber schon folgende Überlegungen angestellt: „Die Stundenpläne zu ändern, ist für unsere Schule zu aufwendig. Und wir laufen dann auch Gefahr, den Stundenplan ein weiteres Mal umstoßen zu müssen. Denn wer weiß schon, was die kommenden Wochen noch bringen!“

Die Schulleitung des Heinz-Berggruen-Gymnasium könnte sich aber gut vorstellen, die Klassen zeitversetzt zum Unterricht kommen zu lassen. Ein Teil der Klassen würde zur ersten Stunde erscheinen, ein Teil zur zweiten, ein Teil zur dritten. Und in der folgenden Woche würde dann getauscht, um den Unterrichtsausfall für alle so gering wie möglich zu halten. Außerdem sollten die Abiturienten auf jeden Fall das volle Stundenkontingent erhalten.

Auf Nachfrage der Berliner Zeitung, wie genau die Umsetzung des gestaffelten Schulbeginns aussehen soll,  schrieb ein Sprecher der Bildungsverwaltung: „Der versetzte Unterricht wird im Rahmen der schulorganisatorischen Möglichkeiten realisiert. Dies kann durch Staffelung der Jahrgänge an einer Schule gehen oder dadurch, dass sich die Nachbarschulen abstimmen. Die Stundentafel soll weiterhin abgedeckt werden. Ansonsten geht es um pragmatisches Handeln vor Ort. Das Ziel ist klar: weniger Fahrgäste im ÖPNV und kein Unterrichtsausfall.“

Norman Heise, der dem Landeselternausschuss vorsteht, begrüßte die Maßnahme des versetzten Schulbeginns grundsätzlich. „Selbst wenn es zu Ausfällen kommt, ist das noch besser als Teilungsunterricht. Denn dann haben die Schüler ja oft nur 50 Prozent des gewohnten Präsenzunterrichts.“

Heise kritisierte, dass den Schulen bis Mittwoch zu wenig Zeit für die Umsetzung bleibe. Er gab auch zu bedenken, dass es in einer „personell angespannten Situation“ schwierig sei, den Stundenplan zu ändern. Schließlich sei es schon zu normalen Zeiten „eine Kunst an sich“, einen Stundenplan zu entwerfen.