In Berlin sind bisher die ersten Abitur-Prüfungen für den 22. April angesetzt.
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BerlinDer Corona-Shutdown gefährdet das bundesweit geltende Abitur. Vielerorts wächst der Zweifel daran, ob tatsächlich schon bald mit den Prüfungen begonnen werden kann. Das Bild, das sich bietet, ist denkbar uneinheitlich.

In Rheinland-Pfalz ist das Abitur bereits gelaufen, in Hessen sind die ersten Klausuren im März geschrieben worden, als die Zahlen der Toten, Infizierten und deren Kontaktpersonen in Quarantäne noch viel kleiner waren. Andere Länder haben ihre Termine damals dennoch nach hinten verschoben. Dort, unter anderem in Berlin, gibt es jetzt immer mehr Protest von Schülern und Eltern gegen Prüfungen in der Extremsituation. Sie fordern eine Absage.

Berlin: Prüfungen für 22. April angesetzt

Es droht ein bundesweiter Flickenteppich. Dabei hatte sich die Kultusministerkonferenz (KMK) am 25. März darauf verständigt, dass in allen Bundesländern vergleichbare Prüfungen stattfinden. Nur dann würden sie überall anerkannt. Mit Spannung wird nun eine Beratung der Bildungsminister mit der Bundesregierung am Mittwoch erwartet.

In Berlin wie in den meisten Bundesländern geht es laut Ferienplan am Montag in einer Woche in den Schulen wieder los. Doch noch sind alle Bildungseinrichtungen Virus-bedingt dicht.

In der Stadt sind die ersten Prüfungen für den 22. April angesetzt. Doch daran gibt es massiv Kritik, Unterschriften werden gesammelt. Die Klausuren, mündliche Prüfungen und Präsentationen seien abzusagen, für die Note sollten bisher erbrachte Leistungen gelten. Doch das wäre für viele problematisch, machen die Abi-Prüfungen doch ein Drittel der Gesamtnote aus, Verbesserungen wären nicht mehr möglich.

Petition „Faires Abitur 2020“

Dennoch ist der Protest deutlich, unter andrem aus dem Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium in Lichtenberg, der Merian-Oberschule in Köpenick, der privaten SchuleEins in Pankow, dem Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz, dem Friedrich-Ebert-Gymnasium in Wilmersdorf, dem Sophie-Charlotte-Gymnasium in Charlottenburg, der Sophie-Scholl-Oberschule in Schöneberg. Aus diesen und anderen Schulen erreichen Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) offene Briefe, unterschrieben von Schülern und Eltern.

Tenor: Zum jetzigen Zeitpunkt seien Prüfungen unzumutbar. Die Begründungen klingen alle ähnlich: Es geht um die Angst vor Infektionen auf dem Weg zur Schule oder dort selbst, um die psychische Belastung angesichts der unsicheren Situation, hinzu käme etwa Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit im Elternhaus, und schließlich um die Ungleichbehandlung von armen Schülern, die nicht ohne weiteres Zugang zu einem Computer haben, aber auch Ungleichheit gegenüber vorherigen Abiturjahrgängen.

Auf der Petitionsplattform change.org haben unter dem Stichwort „Faires Abitur 2020“ rund 1700 Menschen unterschrieben. Eine ähnliche Petition an Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher trägt 140.000 Unterschriften.

75.000 Einweghandschuhe für die Schulen

Doch Scheeres hält an den KMK-Vorgaben fest. Am Donnerstag verschickte sie ihrerseits Briefe an Eltern und Schüler. Darin verweist sie unter anderem darauf, wie wichtig ein bundeseinheitliches Abitur sei.

Im Gespräch mit der Berliner Zeitung zählte die Politikerin noch einmal auf, worauf während der Prüfungen zu achten sei: 1,50 Meter Abstand, Hinweise auf die Corona-bekannten Hygieneregeln sowie eine vorherige Grundreinigung der Schule. Nachdem manche Schulen Bedarf angemeldet haben, sollen zudem 75.000 Einweghandschuhe für das Personal bereitgestellt werden, so Scheeres –für das Austeilen und Einsammeln der Prüfungsmaterialien. Die Schüler hätten für ihren eigenen Schutz und Komfort selbst zu sorgen.