Mit Milliarden an Staatshilfen soll der Autokauf in Deutschland angekurbelt werden
Foto: dpa/Achim Scheidemann

MUTTER: Die erste Woche mit Lockerungen war gleich wieder ein Rückfall in alte Muster in der Politik

TOCHTER: Was meinst du?


Die Diskussion um die Abwrackprämie. Es wird diskutiert, ob der Staat mit Steuergeld Menschen zum Kauf eines neuen Autos animieren soll, damit die Automobilindustrie und der Autohandel schneller aus der Corona-Krise herauskommen.

Warum gefällt dir das nicht?

Findest du es umwelt- und klimapolitisch sinnvoll, den Autokauf mit Steuergeld zu fördern? Es geht nur um die Konjunktur. Benziner, Diesel, Elektroautos, alles wird gleich behandelt. Die Verschrottung der alten Autos spielt gar keine Rolle. Es müsste eine Klimabilanz über alles gezogen werden und der Staat müsste sich genau überlegen, wie Mobilität in Zukunft aussehen soll und einen solchen Umbau der Industrie dann gezielt fördern. Nicht einfach mit Abwrackprämien veraltete Technologien künstlich am Leben halten. Eigentlich waren wir schon mal weiter.

Aber man kann doch nicht eine Industrie abschreiben, nur weil man sie plötzlich für veraltet befunden hat und die Industrie sich noch nicht umgestellt hat. An der Automobilindustrie hängen viele Arbeitsplätze in Deutschland. Man kann diese Menschen nicht im Stich lassen.

Ich bin schon dafür, die Unternehmen zu unterstützen. Ich hätte aber gern, dass diese Unterstützung an Bedingungen geknüpft wird, an den Einsatz und die Entwicklung umweltfreundlicher Antriebe zum Beispiel. Das gilt übrigens für alle Formen der Förderung, auch in der Landwirtschaft. Auch da würde ich mir wünschen, dass der Staat viel stärker einen ökologischen Umbau der Landwirtschaft finanziell unterstützt. Der Staat sollte nicht einfach Konsum fördern, sondern steuern, welche Art von Konsum zeitgemäß ist. Die Kriterien müssten diskutiert werden. Diese Krise bietet die Möglichkeit, sich von Bereichen zu trennen, die kaum noch Zukunft haben. Fatal wäre, Geld in Bereiche zu pumpen, die veraltet sind, nur damit alles wieder wird wie vor Corona.

Aber die Frage ist schon, ob die Industrie das jetzt stemmen kann. Größere Firmen vielleicht, aber ob kleinere es schaffen, mit den Einbußen durch Corona klarzukommen und dann noch ihre Firmen umzubauen? Der Schwung der Stunde sollte genutzt werden, da bin ich auf deiner Seite, weil man sowieso neue Techniken für die Zukunft braucht, und deshalb sollen jetzt in der Krise Techniken gefördert werden, die uns weiterbringen. Zukunftsorientiertes Denken: Man sollte Corona nutzen, um Gesellschaft und Industrie weiterzuentwickeln. Das wäre wichtig. Jetzt ist die Zeit für Innovationen. Jeder mit einer guten Idee wird gerade angehört. Das gilt für alle Bereiche: Forschung, Homeoffice, Industrie. Jeder kann sich zu Wort melden. Alle suchen nach Lösungsmöglichkeiten. Für den Staat ist es eine super Zeit, um sich von Fesseln und veralteten Methoden zu lösen.