Berlin - Ich habe 1991 Abitur gemacht – zwei Jahre zuvor war die Mauer gefallen und mit ihr der eiserne Vorhang. Unsere Generation erlebte eine beispiellose Öffnung der Welt. Überall taten sich Räume auf, die man erforschen, bereisen, mit seiner Fantasie neu besetzen konnte. Die jungen Ostdeutschen reisten in den Westen, die jungen Westdeutschen in den Osten. Jedenfalls diejenigen, die ein bisschen abenteuerlustig waren. In den Semesterferien fuhren wir per Anhalter durch Ungarn und Polen, machten Praktika in Prag und Bratislava, brachten Hilfslieferungen nach Minsk, lebten in billigen Wohnungen in Ost-Berlin, stolz darauf, die großen leeren Zimmer mit Kohleöfen zu heizen, stolz darauf, nichts weiter im Zimmer zu haben als einen Stapel Kleider, einen Stapel Bücher und eine Matratze.

Das Denken in ideologischen Blöcken löste sich auf und ließ Raum für Neues – gewiss, auch für einen entfesselten Neoliberalismus, aber das wurde für uns erst später sichtbar. Zunächst war da eine große Erleichterung, sich im Kopf endlich jenseits der amerikanisch-russischen Freund-Feind-Schemata bewegen zu können.

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