Am 10. August geht der Unterricht in Berlin wieder los.
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BerlinDas neue Schuljahr nähert sich: Am 10. August ist der erste Schultag für die Schüler; Schulleitungen und Lehrkräfte kehren bereits Mitte der kommenden Woche zurück. In Berlin soll an den Schulen dann wieder Normalität herrschen. Doch die Sorgen unter Eltern, Lehrkräften und Schülern sind groß: „Normalität“ bedeutet, dass die Klassen wieder voll werden und der empfohlene Sicherheitsabstand zum Schutz vor einer Coronavirus-Infektion nicht eingehalten werden kann. 

Der aktualisierte Musterhygieneplan, den Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) bereits zum Beginn der Sommerferien verschicken ließ, hob die Abstandsregel daher ausdrücklich auf und empfiehlt als wichtigste Maßnahmen vor allem regelmäßiges Händewaschen, Lüften und periodische Reinigung der Räume.

Ausdrücklich heißt es auch: „Eine Maskenpflicht besteht in der Schule nicht, ausgenommen sind schulfremde Personen.“ Das entspricht nicht den Hinweisen des Robert-Koch-Instituts, die das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung an allen öffentlichen Räumen empfehlen, an denen „mehrere Menschen zusammentreffen und sich dort länger aufhalten (z.B. Arbeitsplatz)“.

Schulleitungen fordern deshalb schon seit Wochen, eine solche Pflicht in der Schulkonferenz beschließen zu dürfen. Bisher gibt es dafür keine Rechtsgrundlage. Der Leiter der Vereinigung der Oberstudiendirektoren (VOB) Ralf Treptow erklärte am Dienstag bei Inforadio: „Ich wünsche mir eine Maskenpflicht, damit wir den Lernenden auf einer Rechtsgrundlage sagen können: Auf den Fluren, auf dem Hof tragt ihr bitte eine Maske. Nur, wenn ihr an eurem Platz sitzt, bei Lüftung oder Querlüftung der Unterrichtsräume, bei Einhaltung aller Hygienevorschriften, dann könnt ihr während einer Lernphase die Maske absetzen. Oder eine Schule sagt: Auch dort müsst ihr eine Maske tragen.“ 

Wolfgang Gerhardt, ebenfalls VOB-Vorstandsmitglied und Leiter des Albert-Einstein-Gymnasiums, wies gegenüber der Berliner Zeitung auf die Situation von Lehrkräften hin, die selbst zur Risikogruppe gehören oder gefährdete Familienmitglieder haben. „Diesen Kollegen einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten gehört für mich auch zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers“, sagte Gerhardt.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte, der Musterhygieneplan werde derzeit überarbeitet, auch die Möglichkeit einer Maskenpflicht werde geprüft.

Corona-Tests für Lehrerinnen und Lehrer

Die einzige konkrete Maßnahme zum Schutz der Lehrkräfte, aber auch des nichtpädagogischen Personals an Schulen: Sie sollen sich an mehreren Teststellen auf das Coronavirus testen lassen können, jederzeit, ohne Symptome. Die Informationen dazu lassen allerdings immer noch auf sich warten: Kita-Angestellte können dieses Angebot des Landes bereits seit Beginn des Monats nutzen, für Lehrerinnen und Lehrer und anderes Schulpersonal sollte es ursprünglich ab Mitte Juli bereitstehen.

Anscheinend hat sich die Abstimmung verzögert: Ein Sprecher der Senatskanzlei für Wissenschaft sagte der Berliner Zeitung, es sei noch nicht abschließend geklärt, ob für die Testungen bei Lehrkräften die gleichen Anlaufstellen wie für Kita-Erzieherinnen zuständig sind oder ob weitere Teststellen mit einbezogen werden. Die Senatsbildungsverwaltung teilte mit, ein Schreiben mit allen Informationen zu den Testmöglichkeiten für Lehrer solle spätestens zum Beginn der Präsenztage in der kommenden Woche an die Schulleitungen geschickt werden.

Berlin ist eins der Länder mit dem frühesten Schulstart, doch der Blick aufs neue Schuljahr löst auch bundesweit Sorgen aus: Der Vorsitzende des deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger hält die Schulen allgemein für schlecht vorbereitet und warnte am Dienstag vor einem „großen Durcheinander“. Auch der Bundeselternrat rechnet mit neuen Schulschließungen: „Wir gehen davon aus, dass das neue Schuljahr keineswegs planmäßig verläuft“, so der Vorsitzende Stephan Wassmuth.

Der Berliner Elternsprecher Norman Heise sagte, der Landeselternausschuss begrüße zwar die Rückkehr zum Regelbetrieb: „Aber normal wird da nichts.“ Für eine Aufhebung der Schulbesuchspflicht, damit besorgte Eltern ihre Kinder zu Hause behalten können - beschlossen etwa in Baden-Württemberg - sieht er in Berlin zwar keine große Lobby. „Aber wir sehen mit Sorge, dass viele Schulen Schwierigkeiten damit haben werden, die Empfehlungen des Musterhygieneplans einzuhalten“, so Heise.

In Berlin sind hunderte Schulen so alt, dass sich die Fenster kaum oder gar nicht öffnen lassen, was regelmäßiges Lüften erschwert. „Man hätte die Ferien nutzen müssen oder muss sie auch jetzt noch nutzen, um an allen Schulen die Bedingungen herzustellen, diese Empfehlungen umzusetzen“, sagte Heise.

Wie der Beginn des neuen Schuljahrs genau aussehen soll, wird Scheeres der Öffentlichkeit nach Auskunft eines Sprechers im Laufe der kommenden Woche mitteilen.