Berlin - Kinder leben in der Gegenwart, saugen sie mit allen Eindrücken auf und haben ein anderes Zeitgefühl als wir Erwachsene: Ein Jahr ist für eine Achtjährige eine wahre Ewigkeit. Seit nunmehr 15 Monaten herrscht für uns alle eine echte Ausnahmesituation – die Kinder aber hat es besonders hart getroffen. Weil sie noch stärker als andere auf den Kontakt zu Gleichaltrigen angewiesen sind. Nicht nur, um in ihrer Bildung voranzukommen, auch für die Persönlichkeitsentwicklung und seelische Gesundheit.

Auf die Schulen haben sich die Entscheidungen über Infektionsschutzmaßnahmen sehr direkt ausgewirkt. Von verlängerten Ferien, Wechselunterricht über ein großes Test-Hin-und-Her, Schulschließungen und nun zum Schluss wieder Regelbetrieb, war dieses Schuljahr alles dabei. Die Kontaktbeschränkungen haben zu Einsamkeit, manchmal auch Gewalterfahrung und Depressionen geführt.

Nun soll mit einem Zwei-Milliarden-Nachholpaket des Bundes dafür gesorgt werden, dass die Kinder und Jugendlichen Lernrückstände abbauen, sich aber auch psychisch von dem Jahr erholen können. Die Bildungsverwaltung plant daher auch Abenteuerspielplatz-Besuche, Feriencamps und Workshops in Jugendhilfeeinrichtungen. Das ist der richtige Ansatz, die 64 Millionen für Berliner Schulen zu verteilen – denn es kann derzeit nicht einzig um das Nachholen von Schulstoff gehen.

Studien zeigen, dass ungefähr ein Viertel der deutschen Schüler gravierende Lernlücken hat. Die werden nicht in den Ferien geschlossen werden können. Das wird im nächsten Schuljahr die große Herausforderung. Dafür müssen sich die Schüler jetzt psychisch erholen können, nur dann schaffen sie es, auch die Lernrückstände abzubauen.