Grundschule an der Köllnischen Heide.
Foto: Volkmar Otto

BerlinGenau das sollte nicht passieren: In Mecklenburg-Vorpommern mussten zwei Schulen nur eine Woche nach dem Ende der Sommerferien aufgrund von Corona-Fällen wieder schließen. Betroffen sind das Goethe-Gymnasium in Ludwigslust und die Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz und damit rund 1000 Schüler. In Ludwigslust hat sich eine Lehrerin mit dem Virus infiziert, in Graal-Müritz ein Schüler.

„Bei der Schließung handelt es sich um eine vorsorgliche Maßnahme, mit der der Landkreis als Schulträger sofort auf das positive Testergebnis der Lehrerin reagiert hat“, sagt Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, der Berliner Zeitung. Zur Vorbereitung auf das neue Schuljahr nahmen die 55 Lehrkräfte des Gymnasiums an einer Fortbildung teil. Die Kollegen der infizierten Lehrerin gelten damit als Erstkontakte und würden nun auf Covid-19 getestet. Spätestens am Montag sollen die Ergebnisse vorliegen. Wo genau sich die Lehrerin infiziert haben könnte, sei nicht bekannt.

Keine Mängel am Hygieneplan

In einer Videobotschaft versucht Landrat Stefan Sternberg, die Eltern der von der Schließung betroffenen Schüler zu beruhigen. „Die Lehrerin hatte keinen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, ist diese Woche auch nicht zur Schule gekommen“, sagt er. Es bestehe daher kein Grund zur Sorge.

Aktuelles zur Corona am 07.08.2020 - Gymnasium Ludwigslust

Quelle: facebook.com/LudwigslustParchim

Mängel am Musterhygieneplan des Landes könnten im Falle des Ludwigsluster Goethe-Gymnasiums ausgeschlossen werden. „Die geltenden Hygiene-Maßnahmen spielen hier nur eine untergeordnete Rolle. Denn es liegt keine Situation vor, deren Nichteinhaltung ausschlaggebend für die Schulschließung wäre“, sagt Andreas Bonin. Laut dem Landesplan ist es Personen mit Corona-typischen Symptomen untersagt, eine Schule zu betreten. Die entsprechende Schulleitung müsse über bekannte Fälle sofort informiert werden. Um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, sollen Schüler nur in festen Gruppen unterrichtet werden. Auch die Lehrkräfte sollten definierte Teams bilden. Eine grundsätzliche Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes in der Schule besteht nicht. Der Plan empfiehlt die Maske jedoch ausdrücklich außerhalb der Unterrichtsräume.

„Aktuell hoffen wir sehr, das Goethe-Gymnasium ab Donnerstag wieder öffnen zu können. Für die drei Schließtage erhalten die Schüler Arbeitsaufträge“, sagt Bonin. In Graal-Müritz fällt der Unterricht dagegen zunächst bis zum 21. August aus, wie der Landkreis Rostock in einer Mitteilung schreibt. Demnach stehen der mit Covid-19 infizierte Schüler und seine Klassenkameraden unter Quarantäne, ebenso wie die Beschäftigten der Schule und alle anderen Schüler. „Das Gesundheitsamt des Landkreises Rostock arbeitet bereits seit Donnerstagabend an dem Fall. Noch in der Nacht wurden die Elternhäuser der Mitschüler des infizierten Kindes informiert und vom Schulbetrieb ausgeschlossen“, sagt Landrat Sebastian Constien. Er habe Tests für alle übrigen Schüler angeordnet.

Schulschließungen kommen wenig überraschend

Bettina Martin (SPD), Bildungsministerin Mecklenburg-Vorpommerns, überraschen die Schulschließungen nicht. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass es Verdachtsfälle in den Schulen geben wird“, sagte sie am Freitag in Schwerin, wie dpa berichtet. Solange es noch keinen Impfstoff gebe, sei immer auch mit solchen Fällen zu rechnen. Wichtig sei es, schnell zu handeln und zielgenau zu reagieren, „ohne dass es wieder zu flächendeckenden Schulschließungen kommen muss.“

Parallel mit Bekanntwerden der Schulschließungen warnt die Gesellschaft für Virologie davor, die Rolle von Kindern in der Pandemie zu unterschätzen. „Infektionsraten bei Kindern und deren Rolle in der Pandemie sind bisher nur unvollständig durch wissenschaftliche Studien erfasst“, schreiben die Wissenschaftler, zu denen auch die Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité und Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin gehören. Neuere wissenschaftliche Veröffentlichungen deuteten darauf hin, dass die Rolle von Kindern bei der Verbreitung des Virus nicht so gering sei wie zunächst angenommen. „Inzwischen liegt der prozentuale Anteil von Kindern an der Gesamtzahl der Neuinfektionen in Deutschland in einer Größenordnung, die dem Anteil der Kinder an der Gesamtbevölkerung entspricht.“

Virologen empfehlen Mundschutz im Unterricht

Mit Blick auf die Gefahr der Ansteckung der Schüler untereinander empfehlen sie aus virologischer Sicht das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch während des Unterrichts. Klassengrößen sollten abhängig von der Zahl der Neuinfektionen reduziert werden.

Falls es gegen Jahresende zu einem kritischen Anstieg der Neuinfektionen in Deutschland kommen sollte, an dem Schulen und andere Bildungseinrichtungen beteiligt sind, schlagen die Wissenschaftler eine Verlängerung der Weihnachtsferien vor. Insbesondere Reisen und Familienfeiern könnten das Infektionsgeschehen verschärfen.

Mecklenburg-Vorpommern war als erstes Bundesland in das neue Schuljahr gestartet. Kommende Woche folgen Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Anders als in Mecklenburg-Vorpommern gilt in NRW die von den Virologen geforderte Maskenpflicht auch im Klassenraum.