Es ist nicht entscheidend, wo man arbeitet. 
Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa

BerlinUnternehmen wie Facebook und Twitter haben es sich einfach gemacht. Die Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley haben ihren Mitarbeitern erlaubt, für immer von zu Hause aus zu arbeiten. Damit haben sie ein großes Problem ganz einfach gelöst: Jeder Arbeitnehmer, der seinen Arbeitsplatz im Büro räumt, schafft Platz für seine Kollegen. So kann in den Großraumbüros der erforderliche Abstand leichter eingehalten werden.

Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit, den Arbeitsort frei zu wählen. In den vergangenen Jahren gab es den Trend, der Arbeit in die Großstädte oder zu den Hotspots der Digitalisierung zu folgen. Das trieb dort die Mietpreise in die Höhe. Wer aber klugen Köpfen erlaubt, nicht in der Nähe des Hauptsitzes der Unternehmen wohnen zu müssen, sorgt für eine Entspannung des Wohnungsmarktes.  

Die freie Wahl des Wohnortes hat schon jetzt dazu geführt, dass Unterkünfte in Studentenwohnheimen in Berlin leer stehen, weil die Studenten sich die Miete sparen und in ihren Heimatorten bleiben. Pendeln müssen sie also auch nicht mehr, was der Umwelt zugute kommt. Warum musste eigentlich erst die Corona-Krise kommen, bevor die Vorteile des mobilen Arbeitens so richtig deutlich wurden? Denn, und darin sind sich die Experten einig, das Homeoffice wird nicht mehr verschwinden. Es ist keine spontane oder kurzfristige Sache, sondern ein großer Schritt in die Arbeitswelt der Zukunft.

Schon jetzt wollen junge Menschen vor allem in Start-ups selbstbestimmt arbeiten. Dazu passt die Option, den Ort der Tätigkeit frei zu wählen. Es bedeutet aber auch, nicht ständig kontrolliert werden zu wollen. Ein Wandel der Unternehmenskultur steht also an. Führungskräften kommt die Aufgabe zu, den Angestellten zu vertrauen statt sie skeptisch zu beäugen. Sie sollen aber auch – möglichst empathisch – die unternehmerischen Ziele vermitteln und Leistungsansprüche formulieren. Klingt nach Change-Prozess und neuer Führungskultur – genau das ist es, was unsere Gesellschaft jetzt braucht.

Und es geht noch weiter, denn dauerhaft wird es eine Hybrid-Lösung geben mit Menschen im Büro und Mitarbeitern im Homeoffice. Nur aus sicherer Distanz zu arbeiten, das wird nicht funktionieren, weil der Mensch ein Herdentier ist, auch die Gemeinschaft tut ihm gut. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Menschen gerne ins Büro zurückkehren, um Teamarbeit vor Ort zu praktizieren.

Der wichtigste Punkt: Gleichberechtigung. Wie konnte es passieren, dass den Müttern ganz selbstverständlich die Kinderbetreuung im Homeoffice zugeschrieben wurde? Und wie kann es sein, dass Männer cool wirken im Videotalk mit Katze in der Nähe und Kind auf dem Schoß, Frauen aber in der gleichen Situation als überfordert wahrgenommen werden? Altes Denken und neues Arbeiten, das passt nicht zusammen. Die Arbeitswelt, das zeigt ein Blick in die Geschichte, war immer geprägt von Veränderungen. Schneller, besser und effektiver zu sein als die Konkurrenz, das ist der Anspruch.

Es geht aber auch darum, die klugen Köpfe auf seine Seite zu bringen und Mitbestimmung zu garantieren. Die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert ist geprägt von der Digitalisierung, von Robotertechnik, Künstlicher Intelligenz und eben der Möglichkeit, seinen Büro-Arbeitsplatz frei wählen zu können. Da kommt dann die Technik ins Spiel. Der Begriff „Zooming“ könnte bald im Duden auftauchen, er steht für Videokonferenzen im privaten und dienstlichen Umfeld. Wieder eine Lösung aus dem Silicon Valley, die zur richtigen Zeit verfügbar war. Europa hat auf diesem Feld noch viel nachzuholen.

Die Zoom-Lösung hat aber auch gezeigt, dass der Datenschutz in den USA gerne vernachlässigt wird. Eine Chance für Europa, denn in den kommenden Jahren werden viele Tools benötigt, an die jetzt noch niemand denkt. Der Nobelpreisträger Albert Einstein hat über Arbeit gesagt, dass Holzhacken deshalb so beliebt sei, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sehe. Auf die Zukunft bezogen lautet das moderne Erfolgsgeheimnis: Lasst die Menschen da arbeiten, wo sie sich wohlfühlen und effektiv sein können.