Arbeiten im Homeoffice und gleichzeitig die Kinder betreuen - das wird viele Eltern noch eine ganze Zeit lang herausfordern.
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BerlinDie fehlende Kinderbetreuung in der Corona-Krise ist in Familien deutschlandweit das Thema Nummer eins. In Berlin beispielsweise dürfen peu à peu mehr Kita-Kinder wieder in ihre Einrichtungen – aber viele nur für vier Stunden am Tag. Auch Schulkinder werden – wenn überhaupt – in Teilzeit betreut.  Es bleibt eine Herausforderung für arbeitende Eltern. Politik und Verbände fordern Unterstützung und Solidarität.

Ab Donnerstag sollen auch Kinder in ihrem letzten Kita-Jahr sowie deren Geschwister in die Notbetreuung gehen können, allerdings nicht ganztags. Dabei gibt es - abhängig von räumlichen und personellen Gegebenheiten in den Einrichtungen - nur kleinere Gruppen. Geplant ist, dass ab dem 25. Mai auch Fünfjährige die Kita wieder besuchen dürfen. Das geht aus einem Schreiben der Senatsverwaltung für Bildung an die Kita-Träger hervor. „Das Datum gilt unter dem Vorbehalt, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Das Ziel ist aber, alle sieben bis 14 Tage eine neue Stufe anzugehen“, sagte Bildungssenatssprecherin Iris Brennberger am Mittwoch. Eine Ganztagsbetreuung ist dabei aber nicht in Sicht.

Folglich könnten nicht alle Kinder mit einem Recht auf Notbetreuung  so lange in die Kita kommen, wie von den Eltern benötigt, sagte Corinna Balkow, die Vorsitzende des Landeselternausschusses Kita (LEAK) in Berlin, am Mittwochmorgen im RBB-Inforadio.

Auch deshalb haben Berliner Elternvertreter von Arbeitgebern Verständnis für Eltern gefordert. „Ich kann jetzt nicht von meinem ganzen Team verlangen, dass es 40 Stunden arbeiten muss und 100 Prozent leisten, wenn ich genau weiß, dass in der aktuellen Corona-Pandemie keine Kinderbetreuung stattfindet, regelgerecht“, erklärte  Balkow. Die Politik müsse daher auch Arbeitgeber mehr in die Pflicht nehmen. Sie erinnerte an das Recht vieler Arbeitnehmer, Stunden zu reduzieren und an den Kündigungsschutz.

Erneut warb Balkow für ein „Corona-Kindergeld“. Landeselternausschuss und Elterninitiative Kita-Krise Berlin fordern einkommensunabhängig monatlich 1000 Euro zusätzlich für Familien zur Entlastung. Damit könnten diese etwa private Betreuung organisieren.

Spahn: „Homeoffice mit Kindern, das ist Kokolores“

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wirbt für mehr Verständnis für Eltern. Die Belastungen durch Homeoffice und gleichzeitige Kinderbetreuung in Corona-Zeiten werden nach seiner Einschätzung oft unterschätzt. „Diese Vorstellung, das kriege ich ja auch mit, Homeoffice und nebenbei die Kinder, wo dann jeder denkt, klappt schon irgendwie, ist natürlich Kokolores - klappt nicht“, sagte Spahn bei einer digitalen Veranstaltung der „Zeit“ nach Angaben der Zeitung vom Dienstagabend.

Zur derzeitigen Rollenverteilung innerhalb von Familien sagte Spahn: „Es ist tatsächlich so, dass der meiste Teil eher bei den Müttern geblieben ist als bei den Vätern - das ist meine Wahrnehmung.“ Er gehe jedoch nicht davon aus, „dass deswegen jetzt alle Rollenbilder wieder so sind wie 1918 oder 1970“.

Unterdessen rechnet der Deutsche Lehrerverband damit, dass in Deutschlands Schulen auch noch lange nach den Sommerferien nur Unterricht im Schichtbetrieb möglich sein wird. Zwar habe man die Ferien, um sich organisatorisch besser aufzustellen, betonte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger am Dienstag im Sender n-tv. Den Schichtbetrieb zwischen Präsenzunterricht an der Schule und Lernen zu Hause werde man aber mit Sicherheit auch im nächsten Schuljahr noch haben - „so lange die Abstandsregeln gelten müssen, und die werden ja gelten müssen, bis ein Impfstoff da ist. Das kann sich noch weit ins nächste Schuljahr hineinziehen.“

Seit Ende April läuft der Schulbetrieb unter strengen Hygienevorgaben wieder an. In Berlin sind sollen seit diesem Montag die Jahrgangsstufen 1 und 5 an den Grundschulen und Gemeinschaftsschulen zurück in den Präsenzunterricht – umgesetzt wird das an vielen Schulen noch nicht. Vergangene Woche waren bereits die Sechstklässler zurückgekehrt. Auch in der Oberstufe sind einige Schüler bereits zurück in ihren Klassenräumen. Bis zum 29. Mai solle es außerdem auch für alle anderen Jahrgänge ein „Präsenzangebot mit reduzierter Stundentafel“ geben, so die Senatsschulverwaltung.

Meidinger sprach von einer „Riesenherausforderung“, die noch größer werde, wenn alle Schüler wieder zurück seien. Der Verbandschef schätzt, dass ein Viertel der rund elf Millionen Schüler größere Probleme bekommen könnten. Dabei handele es sich um Kinder an Förderschulen oder solche, die schlecht Deutsch sprechen oder keine Unterstützung der Eltern haben.