BerlinWir brauchen in Berlin eine Strategie für den Schulbetrieb im Corona-Jahr 2021. Dazu muss jetzt endlich auch klar zwischen den Berliner Grundschulen (Jahrgangsstufe 1 bis 6) und den Oberschulen unterschieden werden.

Ab 11. Januar müssen mindestens die Berliner Erstklässler zurück in einen Präsenzunterricht in die praktisch leeren Grundschulgebäude! Eine fachlich belastbare Alphabetisierung und das Rechnenlernen sind das absolute Fundament der weiteren schulischen Entwicklung. Dieses Fundament kann nur durch Präsenzunterricht gelegt werden. Eine saLzH-Lösung („schulisch angeleitetes Lernen zu Hause“) ist für ABC-Schützen nur dann keine Farce, wenn es wenigstens eine Minimalpräsenz in den Schulen gibt – eine digitale Anleitung der Alphabetisierung ist in Berlin 2021 – und zwar nicht wegen der schlechten Infrastruktur – absolut keine Option.

Warum scheint diese einfache Wahrheit so schwierig? Warum reden die Senatorin und die Senatsverwaltung nur von Ausnahmen für „die abschlussrelevanten Klassen“ in den Oberschulen, so, als ob es die Erstklässler gar nicht gäbe? Wie kann es sein, dass eine Senatorin, deren Herz so offenbar für die Kitakinder schlägt, für die fundamentale Herausforderung der Erstbeschulung so keinerlei Verständnis oder Energie aufzubringen scheint?

Im Januar 2021 gibt es in Berlin keine Ausreden mehr: Der Föderalismus ermöglicht uns, diese Entscheidungen souverän zu treffen, und das Subsidiaritätsprinzip erzwingt es geradezu. Berlin hat schon ohne Not die erste Schulwoche vom 4. bis zum 8. Januar geopfert, die Bundesländer, die die Diskussion dominieren (Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein) haben bis zum 11. Januar Weihnachtsferien (Berlin hat dafür die Woche Winterferien Anfang Februar).

Eine bundeseinheitliche Lösung wäre schön, ist aber im Blick auf die Situation der Berliner Erstklässler ein reines Sahnehäubchen. Die pandemische Situation kann auch nicht mehr als Ausrede gelten: Natürlich gibt es ein Restrisiko, aber die Schulleitungen, die betroffenen Lehrkräfte und die betroffenen Familien können dies klar einordnen.

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Im Übrigen kann es nicht sein, dass eine mangelhafte Test- und Impfstrategie weiterhin auf die Erstklässler abgewälzt wird. Wann kommen Schnelltests an die Grundschulen? Wann werden die Grundschullehrkräfte geimpft? Natürlich wären auch Luftfilter schön und wichtig, aber die Grundschulgebäude sind groß genug und die Lehrkräfte motiviert, flexibel und hilfsbereit für die Umsetzung angepasster Konzepte. An den Schulleitungen liegt es garantiert nicht, sondern an der fehlenden politischen Rahmensetzung. Ganz abgesehen davon, dass aufgrund der Notbetreuung ohnehin eine gewisse Anzahl von Kindern in der Schule ist, aber im jetzigen Modell nicht beschult wird.

Brauchen wir eine Rückendeckung aus der Wissenschaft? Ich denke nicht, alle Karten sind auf dem Tisch. Die Leopoldina hatte im März noch die Grundschüler im Blick, bei späteren Schwarz-Weiß-Diskussionen ging diese Dimension fast völlig verloren – ein einzelner Ausbruch an einer Hamburger Oberschule beweist nur, dass man mit der Differenzierung, Interpretation und Umsetzung sehr genau und umsichtig agieren und im Zweifel schulgenau reagieren muss. Oder hat wirklich jemand geglaubt, dass Oberschulen in der Pandemie im Quasi-Regelbetrieb einfach offen gehalten werden können? Einzelne Klassen oder im worst case eine ganze Schule in Quarantäne zu schicken ist allemal besser, als die Grundschulen pauschal geschlossen zu halten.

Deutschland und Berlin können sich jetzt nicht mehr verstecken – wir müssen jede einzelne Maßnahme abwägen und entscheiden. Für mich ist dies in Bezug auf die Grundschulen in Berlin eindeutig: Die Berliner Erstklässler brauchen ab 11. Januar Präsenzunterricht. Lassen Sie die ABC-Schützen bitte zurück in die Schulen, Frau Senatorin!

Dr. Philipp Lengsfeld, CDU-MdB für Berlin-Mitte in der 18. Wahlperiode (13-17), Mitglied des Bildungsausschusses, verheiratet mit einer Berliner Grundschullehrerin, die gerade wieder eine erste Klasse unterrichtet.

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