Erstsemester im Hörsaal (Symbolbild).
Bernd Wüstneck / dpa

BerlinSeit 2011 betreiben Bund und Länder den „Qualitätspakt Lehre“ für die Hochschulen. Insgesamt zwei Milliarden Euro wurden für das 2020 auslaufende Programm bereitgestellt. Es gab drei Schwerpunktbereiche: Einstellung zusätzlicher Lehr- und Beratungskräfte, Weiterqualifizierung in Lehre und Betreuung, Entwicklung und Erprobung innovativer Unterrichtskonzepte.

Das Programm sah zwar einen Wettbewerb um Förderung vor, jedoch wollte man auch in die Breite wirken. In der ersten Förderperiode kamen 186 Hochschulen, in der zweiten 156 zum Zuge.

Viele Hochschulen konzentrierten sich auf das Mentorierung der Erstsemester

Die meisten Maßnahmen, die in Projektform getestet wurden, betrafen die Einführung digitaler Prüfungsformen, die Lehrqualifizierung, den Ausbau der Beratungsangebote, Übungen zum wissenschaftlichen Schreiben und die Etablierung neuer Betreuungsformate. In einer Phase, die durch einen gewaltigen Anwuchs der Studierendenzahlen geprägt war, halfen die zusätzlichen Mittel, dramatische Engpässe zu vermeiden.

Viele Hochschulen konzentrierten sich dabei auf die bessere Mentorierung der Erstsemester, deren Zahl innerhalb weniger Jahre von 390.000 auf 510.000 stieg. Sie führten Vor- und Brückenkurse insbesondere im Bereich Mathematik ein, verstärkten die Betreuungsangebote in den ersten Studienwochen und betrieben großen Zusatzaufwand, um den großen Ansturm zu bewältigen.

Qualifizierungskurse für Lehrende - ein Anfang ist gemacht

Eine der systematisch wichtigsten Maßnahmen war sicherlich der Ausbau der Lehrqualifizierung. Noch vor zehn Jahren lernten junge Wissenschaftler das Lehren allein durch die Praxis, ohne mit didaktischen Konzepten jemals in Berührung gekommen zu sein. Hochschulischer Unterricht definierte sich allein aus der Fachkompetenz des Lehrpersonals, alles andere schien keine Rolle zu spielen.

Mit dem Bund-Länder-Programm änderte sich das. Zahlreiche Hochschulen bieten jetzt Qualifizierungskurse für Lehrende aller Erfahrungsstufen an – für Doktoranden wie Professoren. Noch sind solche Kurse nicht flächendeckend, und oft bilden sie nur Optionen, ohne dass sie verbindlich sind. Aber ein Anfang ist gemacht.

Zweifellos hat das Programm in knapp zehn Jahren wesentlich dazu beigetragen, dass ein Kulturwandel an den Hochschulen in Gang gekommen ist. Für die individuelle akademische Reputation spielt die Forschung weiterhin die entscheidende Rolle. Das ist auch richtig, denn die Forschungsleistung zeigt Innovationsfähigkeit, Originalität, Neugierde und intellektuelle Dynamik als Grundzüge der wissenschaftlichen Haltung. Aber mittlerweile wird deutlich mehr für die Lehre getan.

Die Zukunft bringt eine Kürzung von 50 Millionen Euro

Was bringt die Zukunft? Zunächst einmal weniger Geld: 150 Millionen jährlich fließen in das neue Programm „Innovation in der Hochschullehre“. Gegenüber dem „Qualitätspakt“ ist das eine Kürzung um 50 Millionen. Wie bisher sollen hier neue Vorhaben erprobt werden. Ein Schwerpunkt könnte dabei die Weiterentwicklung der Lehrqualifizierung sein.

Vor allem aber geht es in den meisten Hochschulen um langfristige Perspektiven für die erfolgreich getesteten Angebote des „Qualitätspakts“. Befristetes Personal muss in Dauerstellen überführt werden, für die das Budget gerade an kleinen Hochschulen nicht reicht. Es ist daher dringend geboten, dass die Länder ihnen die finanzielle Planungssicherheit für eine zukunftsträchtige Verbesserung der Lehre eröffnen.