BerlinWie schon vor den Herbstferien von Sandra Scheeres angekündigt, tritt nun der neue Stufenplan für die Berliner Schulen in Kraft. Im Laufe des Donnerstags wurde für jede Schule eine individuelle Entscheidung getroffen, auf welcher Stufe der Corona-Ampel sie angesiedelt ist: Zur Auswahl stehen die Farben Grün, Gelb, Orange und Rot.

Zwei Institutionen entscheiden in den Berliner Bezirken von nun an gemeinsam: das Gesundheitsamt und die Schulaufsicht. Die Amtsärzte spielen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. Die Schulleitungen können einen Vorschlag machen, wo sie ihre Schule sehen. Für die Einstufung werden viele Faktoren berücksichtigt: die Infektionslage in Schule, Bezirk und Stadt, die Besonderheiten der Schule, die Größe der Räume und die Belüftungsmöglichkeiten.

Die Farbe Grün meint den Regelbetrieb, wie er nach den Sommerferien praktiziert wurde. Die Farbe Gelb, die jetzt seit dem Ende der Herbstferien an den Berliner Schulen gilt, fordert von Schülern und Lehrern in der Oberstufe, dass sie im Unterricht Maske tragen. Die Stufe Orange verlangt eine generelle Maskenpflicht für Schüler und Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen. Auch bringt sie deutliche Einschränkungen bei den AGs, bei Religions-, Musik- und Sportunterricht, während die Farbe Rot eine Rückkehr zu den Zuständen der Vor-Sommerferien-Zeit bedeutet: also die Halbierung der Klassen und eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht.

Schon am Donnerstagabend veröffentlichte die Senatsverwaltung für Bildung eine genaue Liste, wie viele allgemeinbildende Schulen pro Bezirk auf welcher Stufe stehen: Die überwältigende Mehrheit steht auf Stufe Gelb, keine einzige auf Grün oder Rot.

Grafik: BLZ/Sabine Hecher, Quelle: Berliner Senatsverwaltung

Nach Bezirken aufgeschlüsselt ergibt sich folgendes Bild: In acht Bezirken stehen alle allgemeinbildenden Schulen auf Stufe Gelb. In den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg sind alle Grundschule auf Stufe Gelb und alle weiterführenden Schulen auf Stufe Orange gesetzt. In Reinickendorf tragen sämtliche Schulen die Farbe Orange; wegen eines eher diffusen Infektionsgeschehens, wie es hieß, ausgelöst durch Großveranstaltungen. Was man durchaus erstaunlich finden kann: dass es im Hotspot Neukölln bisher noch keine einzige rote Schule gibt.

Bei den Berliner Berufsschulen stehen jedoch zwei Oberstufenzentren für Gesundheit auf Rot, weil sie ihre Schüler in Kliniken und Arztpraxen entsenden. Sonst steht etwas mehr als die Hälfte der Schulen auf Orange, der Rest auf Gelb.

Von nun an soll die Einstufung jeden Donnerstag neu überdacht werden: Die Verantwortlichen telefonieren miteinander und teilen der Schulleitung eventuelle Änderungen mit, damit sie die Schulgemeinschaft am Freitag informieren kann. Am darauffolgenden Montag soll die Verschärfung oder Lockerung der Corona-Maßnahmen dann umgesetzt werden.

Unterschiede bei der Einstufung der Schulen

Im Angesicht der zweiten Welle sind viele Eltern und Mitglieder des Schulpersonals sehr nervös. Und wie immer gab und gibt es viel Kritik am Vorgehen des Senats. „Es ist nicht konkret nachvollziehbar, auf welcher Grundlage die Einstufungen erfolgen. Das trägt zur Verunsicherung in den Schulen bei“, kritisierte Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW Berlin.

Eine Entsprechung zum bezirklichen Infektionsgeschehen sei nur bedingt zu erkennen. So seien in Neukölln, wo berlinweit aktuell mit 254 Infizierten auf 100.000 Einwohner die zweithöchste Inzidenz vorzufinden ist, nur vier Schulen in die Stufe Orange eingeordnet, während in Reinickendorf alle 63 Schulen als orange eingestuft wurde. Dort beträgt laut Senat die Inzidenz 174. „Es ist leider die große Uneinheitlichkeit eingetreten, die wir befürchtet haben. Die Einstufung muss auf transparenten und einheitlichen Kriterien erfolgen“, forderte Siebernik.

Max Maendler, Gründer von lehrermarktplatz.de, hat den Eindruck, dass die Politik jetzt der Maxime folgt: „Wir müssen die Schulen offen halten!“ Diese Maxime würde er gerne ersetzen durch: „Wir müssen alles tun, damit die Schulen so lange wie möglich offen gehalten werden können.“ Auch er fordert einheitliche Kriterien, zum Beispiel bestimmte Grenzwerte bei den Infektionszahlen im Bezirk, bei der die Ampel aller Schulen automatisch auf Rot springt. Außerdem setzt er sich dafür ein, dass jene Schulen, die gut für das hybride Lernen gerüstet sind, auf eigenen Wunsch damit beginnen können.

Sven Zimmerschied, Schulleiter an der Friedensburg-Oberschule und Mitglied im Hygienerat, plädierte am Montag dafür, dass die Schulleitungen das Recht bekommen, autonomer zu entscheiden. Die Situation im Vergleich zu Anfang Oktober, als der Stufenplan beschlossen wurde, habe sich verändert. Er selbst wolle auch seine Schule so lange wie möglich offen halten. Aber: „Die Schulleitungen müssen mehr ins Boot … Wir müssen auf das stark gestiegene Infektionsgeschehen reagieren. Stark steigende Infektionen in der Gesellschaft kommen auch irgendwann in der Schule an.“