Dauerhaft glücklich im Job ist gut für die Gesundheit.
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BerlinSelbstmotivation ist einer der wichtigen Faktoren, um ein erfülltes Leben zu führen. Das gilt fürs Private als auch für das Berufsleben. Aber was ist Selbstmotivation überhaupt und wie behalten wir diese bei, um auch im Job dauerhaft glücklich zu sein? Reinhold Stritzelberger ist Experte auf diesem Gebiet. Der Coach erklärt, dass es durchaus möglich ist, jeden Tag mit Freude zur Arbeit zu gehen.

Was unterscheidet Motivation von der Selbstmotivation und warum ist letztere wichtiger für die tägliche Leistungsfähigkeit im Job?

Unter Motivation versteht man in erster Linie Fremdmotivation, also extrinsische, von außen kommende Motivation. Die ist deutlich weniger stark ausgeprägt und anhaltend wie die so genannte intrinsische Motivation, also die ureigentliche, von innen kommende, sogenannte Selbstmotivation. Letztere ist meist im privaten Umfeld zu finden. Aber will jemand anderes eine Aufgabe an mich herantragen, etwa der Chef oder der Kollege, führt das fast unweigerlich zu einer gewissen inneren Abwehrhaltung.

Hörbuchtipp

Reinhold Stritzelberger: Selbstmotivation. Welche Hilfsmittel es gibt, motiviert in den Arbeitsalltag zu starten und auch dauerhaft selbstmotiviert zu bleiben, verrät Ihnen dieses Hörbuch.

Sie schreiben in Ihrem Buch „Selbstmotivation“, dass derjenige, der jeden Tag motiviert zur Arbeit geht, gesünder lebt. Wo ist der Zusammenhang?

In eindeutigen Studien der Weltgesundheitsorganisation kamen vier Faktoren ans Licht, die einen wesentlichen und nachhaltigen Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Einer ist ganz klar Bewegung und Ernährung. Außerdem kam heraus, dass, wer sich als Handelnder beschreibt, sich mit seiner Arbeit identifiziert und beruflich für sein Tun zuversichtlicher ist, gesünder und länger lebt. Vom persönlichen Wohlbefinden ganz abgesehen.

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Geht das überhaupt, jeden Tag motiviert zur Arbeit zu gehen? Hat nicht jeder mal ein Tief?

Das geht. Natürlich nicht immer auf dem absoluten Hoch einer Selbstmotivation, denn jeder hat phasenweise unterschiedliche Leistungsniveaus. Es geht immer darum sein relativ Bestes zu geben und da plädiere ich für einen ehrlichen Umgang mit sich selbst. Natürlich hat jeder seine Tiefs. Aber es geht dann nicht darum, das zu ignorieren oder gar durch positives Denken ausradieren zu wollen. Es geht darum, rascher aus dem Tief und wieder in ein normales Selbstmotivations-Grundlevel kommen zu können.

Woran scheitert es Ihrer Meinung nach, das Vorhaben und Tun oft weit auseinander liegen?

Eine meiner Lieblingsfragen. Ich vertrete die von der Hirnforschung unterstützte These: Der Mensch weiß eigentlich fast immer, was er will. Er tut es nur nicht. Die Einen setzen große und langfristige Ziele um. Die Anderen scheitern nach ein paar Stunden am Vorsatz, weniger Süßes zu essen. Viele halten ihre Gesundheit für wichtig und rauchen und bewegen sich nicht. Manchen Managern ist ihre Familie wichtig und sie haben keine Zeit dafür. Deshalb geht es genau um den Kern: Nicht wissen bringt uns weiter – entscheidend ist, was wir tun.

Was sind die häufigsten Gründe, warum Menschen keine Lust auf die Arbeit haben?

Das Problem sind eingefahrene Denkmuster. Wer beispielsweise glaubt, er könne sich von anderen motivieren lassen, hat schlechte Karten. Wer meint, wenn das Unternehmen nichts für ihn tut, tut er auch weniger fürs Unternehmen, wird nicht glücklich werden. Alle Menschen fallen diesen Gedanken hin und wann zum Opfer.

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Wie wirkt man dem dann entgegen?

Das Überprüfen seiner eigenen Einstellung und sich darüber bewusst zu werden, was einen hemmt, ist der erste Schritt. Man sollte sich überlegen, für was man bereit ist, sein Bestes zu geben? Und dann sollte man das tun. Es ist eine Tatsache, dass wir nur stolz sein können auf etwas, für das wir uns angestrengt haben. Für das, was uns in den Schoß fällt, oder dass, was wir bequem auf der linken Arschbacke absitzen, fühlen wir uns niemals wertgeschätzt. Eine Weile sind wir vielleicht halbwegs zufrieden, wenn wir fürs Nichts machen Gehalt bekommen. Dann aber setzt eine Spirale der Demotivation ein. Und dann ist das allgemeine Glücklich sein in Gefahr.

Wie kann ich mein Ziel, motiviert und mit Freude zur Arbeit zu gehen, in die Tat umsetzen? Gibt es einen Masterplan, mit dem das jeder schaffen kann?

Seit fast 20 Jahren bin ich als Coach unterwegs. Ich kann nur sagen: Es gibt einen Masterplan - der ist jedoch individuell. Genau genommen gibt es also unzählige Masterpläne.