Dass die deutschen Schüler keine Lust auf Lesen haben, gehört zu den wirklich bitteren Erkenntnissen dieser Pisa-Studie.
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BerlinEs gibt Schüler, die gehen jedem noch so gutmütigen Lehrer schwer auf den Geist. Sie machen ihre Hausaufgaben nicht oder geben sie erst Tage später ab – und dann sind sie womöglich noch verwundert, wenn es eine mäßige Note gibt.

Die Pisa-Studie zeigt: Deutschland liegt mit seinem Ergebnissen zwar leicht über dem OECD-Durchschnitt, findet aber keinen Anschluss an die Spitzenreiter. Der Trend zeigt eher wieder nach unten. Jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland kann nur auf Grundschulniveau lesen. Das deutsche Bildungssystem versagt in Fragen fairer Chancen.

Bildungserfolg ist in Deutschland überdurchschnittlich stark an die soziale Herkunft gekoppelt: eine Ungerechtigkeit, die in den vergangenen Jahren sogar noch einmal gewachsen ist.

Versäumnisse der Bildungspolitik

Es lässt einen ratlos zurück, dass der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz, dazu sagt, wenn ihm irgendjemand noch „ein Zauberrezept“ zeige, das unentdeckt sei, gehe er gern darauf ein. Was für ein Unfug! Nicht mit Zauberei, nur mit Taten lassen sich die Probleme in der Bildungspolitik angehen. Die Liste der Versäumnisse ist lang und offensichtlich.

Wann begreifen wir endlich, dass wir jeden Schüler so gut wie möglich individuell fördern müssen – und dass wir dazu ausreichend viele Lehrer brauchen? Wann schaffen wir ein gutes, modernes und umfangreiches Fortbildungsangebot für Lehrer? Wann machen wir endlich ernst damit, dass in Schulen multiprofessionelle Teams – Lehrer, Pädagogen und Sozialarbeiter – zum Standard werden? Warum bezahlen wir die Lehrer, die in sozialen Brennpunktschulen den schwierigsten Job machen, oft am schlechtesten?

Deutschland muss investieren

„Wir können nicht auch noch die Probleme der Gesellschaft lösen“, hört man häufig von Lehrern. Aber wer soll es denn sonst tun? Richtig ist, dass wir die Lehrer nicht mit den Herausforderungen allein lassen dürfen, die aus Migration und sozialen Problemen entstehen. Deutschland muss investieren und für bessere Arbeits- und Lernbedingungen an den Schulen sorgen.

Die Lehrer haben in Befragungen zu erkennen gegeben, dass sie bereit sind, mehr im Team zu arbeiten. Fragt man einzelne Lehrer danach, heißt es meist, es fehle für gegenseitige Unterrichtsbesuche die Zeit. Hier braucht es mehr Personal, aber auch gute Schulleiter, die Veränderungsprozesse anstoßen. Und es braucht natürlich auch den Willen und die Initiative der Lehrer selbst.

Lust am Lesen fördern

Wir müssen ihnen Arbeitsbedingungen bieten, bei denen möglichst viele jeden Tag Freude an ihrem Beruf haben können. Vielleicht schaffen sie es dann auch – in vereinter Anstrengung mit Eltern, Großeltern und Lesepaten –, dass eine besonders wichtige Botschaft bei den Schülern ankommt: Es gehört zu den schönen Dingen im Leben, sich mit einem richtig guten Buch zurückzuziehen. Denn dass die deutschen Schüler keine Lust auf Lesen haben, gehört zu den wirklich bitteren Erkenntnissen dieser Pisa-Studie.

Jetzt sind die Verantwortlichen in den Ländern gefordert, rasch untereinander und mit dem Bund auszuloten, wie Deutschland bis zur nächsten Pisa-Studie die Trendwende schaffen kann. Sonst werden sie bei der nächsten Pisa-Studie wieder Fremdschämen provozieren wie der Schüler, der sagt: „Herr Lehrer, ganz ehrlich, der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen.“