Berlin - Am 6. April schnuppert Marek durch die Klassenräume, Flure und Toiletten der Anna-Lindh-Grundschule in Berlin-Wedding. In beinahe allen Räumen legt sich der belgische Schäferhund hin. Hinlegen heißt: Schimmel. Die Gebäude der größten Grundschule Berlins mit rund 800 Schülern sind so stark befallen, dass bereits zwölf Klassen ausgelagert werden mussten. Bei der Spürhund-Begehung fanden sich in weiteren Räumen schimmlige Stellen. 

Der halbe Standort im Nord-Wedding muss vielleicht geschlossen werden. Und das in einem Stadtteil, in dem Mangel an Schulplätzen besteht. Die Schülerinnen und Schüler der ausgelagerten Klassen kommen derzeit noch in einem Jugendklub und einer Schule in der Nähe unter. Diese Nachbarschaftshilfe läuft im Sommer jedoch aus, dann wäre schlicht kein Platz mehr für die Klassen, der Unterricht könnte nicht stattfinden.  

Zwischen Guinea-, Kongo- und Togostraße erstreckt sich das zweistöckige beigefarbene Schulgebäude. Die Turnhalle ist von einem Baugerüst umhüllt. Sie wird wegen des Schimmels seit Jahren nicht mehr genutzt. Das Baugerüst dient allerdings nicht der Schimmelbekämpfung, sondern der Dachsanierung, die aktuell läuft. „2010 bemerkten wir den Schimmel das erste Mal. Damals ging es in den Umkleiden los, dann befiel er die Turnhalle. Auch der Keller ist so verschimmelt, dass er unzugänglich ist“, erzählt die Elternvertreterin Anke Erler. „Saniert wurde immer nur auf Druck der Elternschaft. Aber als 2016 die Schulbauoffensive beschlossen wurde, dachten wir, jetzt passiert endlich was.“ Der Senat stellte 5,5 Milliarden bereit, die landeseigene Howoge sollte die Offensive ausführen. In Sachen Schimmelbekämpfung geschah an der Lindh-Schule allerdings bis heute nichts. 

Lindh-Schule wurde nicht für Sanierung gemeldet

2016 wurden die Berliner Schulen durch Gebäudescans auf ihren Sanierungsbedarf überprüft. Auch an der Lindh-Schule gab es einen solchen Scan. Der Sanierungsbedarf wurde auf 10,86 Millionen Euro geschätzt. Der Bezirk (Mitte) hätte bei der Summe die Zuständigkeit ans Land übergeben können. Dann wäre die Lindh-Schule vermutlich in die Schulbauoffensive aufgenommen worden. Das geschah jedoch nicht, wie aus internen Mails, die der Berliner Zeitung vorliegen, hervorgeht. Und nun besteht die Gefahr, dass bis zur Abgeordnetenhauswahl im September gar nichts mehr passiert. Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU) will nämlich auf Gutachten warten, die erst im Herbst da sein werden. Klar ist: In einem großen Teil der Schule kann nicht unterrichtet werden, und es wird kurzfristig ein Ersatzstandort gebraucht.

„Ich habe die Sorge, dass die Pläne zur Sanierung, die Herr Spallek versprochen hat, erst im Herbst fertig sind und das Problem dann in die nächste Legislaturperiode fällt. All das geschieht auf dem Rücken der Kinder, das kann nicht sein.“ Erler wünscht sich, „dass das völlig marode und verschimmelte Gebäude abgerissen und ein Modulbau aus Holz errichtet wird.“ Das sei billiger und würde erheblich schneller gehen als eine Sanierung des Bestandsgebäudes.

Möglicherweise nicht genügend Schulplätze im nächsten Jahr

Doch auch für die kurzfristige Situation der Schulgemeinschaft braucht es einen Plan. Eine Möglichkeit wäre, Container aufzustellen. Bezirksstadtrat Spallek (CDU) sucht hier jedoch in den Augen der Berliner SPD-Abgeordneten Maja Lasic nicht mit genug Nachdruck nach Lösungen. Die Berliner SPD habe bereits Standorte vorgeschlagen. Doch auch hier gibt es Probleme, da es sich um geschützte Grünflächen handelt. In Frage käme laut Lasic etwa eine Grünfläche an der Seestraße, zwischen Dohnagestell und Plötzensee gelegen. „Carsten Spallek muss schnellstmöglich versuchen, Orte zu finden, um Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. Sonst kann es passieren, dass wir im nächsten Schuljahr nicht ausreichend Schulplätze haben“, sagte Lasic.

Auf Anfrage der Berliner Zeitung teilte Spallek mit, die Suche nach Standorten laufe bereits. Seriöse Termine für den Abschluss einer Sanierung gäbe es nicht, da dies unter anderem durch den Denkmalschutz kompliziert sei. Es könne sich um viele Jahre handeln, in denen Ersatzräumlichkeiten nötig würden. Zusätzliche Container aufzustellen, sei nicht geplant, da dies zu lange dauern würde. 

Das große Problem der Lindh-Schule ist, dass für die nötige Großsanierung keine Kapazitäten mehr da sind. Die Schulbauoffensive ist bereits ausgereizt, die überforderte Howoge, die mit dem Land die Schulbauoffensive abarbeitet, nicht in der Lage, noch mehr Neubauten und Sanierungen zu stemmen. Wie der Bezirk eine solche Großsanierung alleine bewerkstelligen soll, bleibt unklar.