Lernen mit dem Laptop soll eigentlich Schulstandard werden, aber im Hintergrund brodelt Streit um Lerninhalte und Plattformen.
Foto: dpa/Daniel Reinhardt

BerlinDie Bedenken gegen die vom Hasso-Plattner-Institut im Auftrag des Bildungsministeriums entwickelte Schulcloud werden größer. Nachdem sich in den vergangenen Wochen bereits private Anbieter beschwerten, hat nun die FDP-Fraktion im Bundestag eine Anfrage an das zuständige Ministerium gestellt. 

Insgesamt trugen die Politiker 48 Punkte zusammen. Es geht um die Datensicherheit, eine Öffnung der Infrastruktur für andere Anbieter und Fragen der Transparenz. „Ich frage mich, warum das Bundesbildungsministerium nicht auf bestehende Schulcloud-Lösungen am Markt zurückgegriffen hat, sondern etwas mit dem HPI neu entwickelt und somit Schüler und Lehrer unnötig zu Versuchskaninchen werden“, sagte Britta Dassler, Mitglied der Bildungsausschusses des Bundestags, der Berliner Zeitung.

Die Idee der HPI-Schulcloud war vor drei Jahren als Forschungsprojekt entstanden, das die Bundesregierung  mit einen Millionenbetrag gefördert hatte. In der Corona-Krise kündigte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) an, eine weitere Zuwendung in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags für die Entwicklung der HPI-Cloud zu genehmigen.

Danach war nicht mehr ganz klar, welches Ziel tatsächlich verfolgt werden soll: Liefert die HPI-Cloud nur die Infrastruktur, damit private Anbieter ihre digitalen Lehrangebote dort platzieren können, oder erweitert das Institut sein Angebot um eigene Lehrinhalte? Dassler fordert jedenfalls, dass den gewerblichen Anbietern der Zugang zur HPI-Schulcloud unkompliziert gewährt werden müsse.  

Sechs private Anbieter reagierten mit einem offenen Brief. „Generell ist der staatliche Markteingriff durch die Entwicklung einer eigenen Schulcloud unnötig und kontraproduktiv“, hieß es in dem Schreiben, und weiter: „Anstatt auf funktionierende Lösungen am Markt zu setzen, warten Schulen und Träger auf das vermeintlich kostenlose Allheilmittel vom Bund.“ Andreas Noack, Gründer und Geschäftsführer von heinekingmedia, dem mit schul.cloud größten Anbieter, ergänzte: „Mit der einseitigen Förderung von einzelnen, prominenten Institutionen entsteht eine deutliche wettbewerbsrechtliche Verzerrung. Der Mittelstand wird benachteiligt, obwohl es etablierte, ausgereifte Lösungen gibt. Ohne Lecks und Pannen, datenschutzkonform.“

Lennart Seimetz, Landesschülersprecher im Saarland, wo die HPI-Cloud neben anderen Lösungen angeboten wird, sagte der Saarbrücker Zeitung, dass es bei jedem Produkt Vor- und Nachteile gebe. Wirklich perfekt sei keine der Plattformen, wie Schüler und Lehrer ihm berichtet hätten. Kritik kommt auch von Max Maendler, Initiator des #wirfürschule-Hackathon des Bildungsministeriums und Gründer von Lehrermarktplatz.de. Er hält die Investition des Bildungsministeriums in die Entwicklung der HPI-Schulcloud für „fragwürdig“. 

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