An diesem Montag beginnt für 370.000 Schüler und Schülerinnen in Berlin ein neues Schuljahr unter Corona-Bedingungen.
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BerlinAn diesem Montag startet in Berlin wieder der Schulbetrieb. Damit beginnt das wohl ungewöhnlichste Schuljahr seit Jahrzehnten. Nach einem Halbjahr mit Corona und weitgehend ohne regulären Unterricht soll wieder zum Regelunterricht zurückgekehrt werden. Das jedenfalls ist der Wille des Senats.

Es geht um einen Schulalltag für 370.000 Schüler, der sich möglichst nah am üblichen Unterricht orientiert – auch um die Defizite der vergangenen Monate etwas auszugleichen. Doch die  Verunsicherung ist groß, denn am Wochenende vor dem Schulstart kochte die Debatte über eine Maskenpflicht im Unterricht hoch.

Die Regelung der Verwaltung ist eindeutig: „In allen Schulen gilt bis auf den Unterricht … die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in geschlossenen Räumen.“ Außerdem müssen alle Eltern und Besucher eine Maske tragen. Es wird davon ausgegangen, dass die Schüler in den Klassen in homogenen Gruppen lernen. Nur wenn sie mit anderen zusammenkommen, sollen sie Maske tragen.

Die Ansicht, dass Schulen nicht als extreme Corona-Gefahrenorte gelten, vertritt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ), ein Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften. Ihre Auswertung der nationalen und internationalen Studien ergab, dass bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen „eine geringere Infektionshäufigkeit“ bestehe und sie weniger schwer erkranken. Vieles spreche dafür, dass Kinder bis 14 Jahren die Krankheit „seltener als Erwachsene auf andere Menschen übertragen“. Lehrer und Personal hätten bei grundlegenden Hygienemaßnahmen „nur ein geringes Ansteckungsrisiko durch Kontakte zu potenziell infizierten Kindern“. DAKJ-Generalsekretär Hans-Iko Huppertz sagte: „Der Wiederbeginn einer sicheren Regelbetreuung und eines sicheren Regelunterrichts sind eine Aufgabe höchster nationaler Priorität, denn Kita- und Schulschließungen fügen Kindern und Jugendlichen einen zunehmend größer werdenden Schaden zu.“

Doch es gibt erheblichen Widerstand: So forderten die Vorsitzenden der zwölf Bezirkselternausschüsse und der Vorstand des Landeselternausschusses, dass alle Personen in Schulen in der ersten Woche „auch im Unterricht“ eine Maske tragen sollen. Eine weitere Forderung: Den Schulen soll freigestellt sein, mit reduzierter Klassengröße zu unterrichten. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert, dass ab der zweiten Schulwoche die Abstandsregeln im Unterricht eingehalten und Klassen wieder geteilt werden sollen. Das wäre ein Abschied vom Regelunterricht. Am Freitag hatte der Landesschülerausschuss sogar für einen Schulstreik plädiert. Die Idee fand zwar nur eine knappe Mehrheit und wurde am nächsten Tag wieder kassiert, aber sie zeigt, wie umstritten die Regeln sind. CDU-Landeschef Kai Wegner fordert Corona-Tests für alle Schüler.

Martin Klesmann, der Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte am Sonntag: „Die Maskenpflicht gilt in den Begegnungszonen im Schulhaus, im Freien ist eine Maske nicht nötig.“ Im Unterricht soll es keine Maskenpflicht geben. Allerdings sei es den Schulen und Klassen freigestellt, Maske zu tragen. Es gebe Fälle von Lehrkräften, die zu Risikogruppen gehören und die sich wegen einer Vorerkrankung krankschreiben lassen könnten, die aber unterrichten wollen. Sie wollen zur Risikoreduzierung eine Maske tragen, das müssten dann auch die Schüler. „Wichtig ist es, die Eltern in die Entscheidung miteinzubeziehen“, sagte Klesmann.

Vertreter aller wichtigen Berliner Wirtschaftsverbände stellen sich auf die Seite des Senats. „Es ist höchste Zeit, dass der Regelbetrieb an den Schulen wieder startet“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Wirtschaft lehne die Vorschläge der Gewerkschaft zum Teilungsunterricht ab. „Für die Wirtschaft, die Mitarbeiter und ihre Familien wäre dies eine nicht vertretbare und derzeit unverhältnismäßige Belastung“, heißt es. Es liege im Interesse der Unternehmer und der Mitarbeiter, dass die Kinder wieder verlässlich unterrichtet und betreut würden.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden bereits die ersten Schulen wieder coronabedingt geschlossen. In Berlin wird es wohl bald auch solche Fälle geben. Aber das Schuljahr beginnt in Berlin definitiv ohne Maskenpflicht im Unterricht. Denn dafür müsste die entsprechende Verordnung geändert werden. Zudem ist fraglich, ob der Teilungsunterricht viel bringen würde, denn dann müssten die Schulen wieder die Notbetreuung für die Schüler hochfahren und die Kinder wären doch wieder sehr nahe beieinander.