Berliner Zeitung Generation Greta


Mutter: Glaubst du, dass das Umweltthema nach Corona wieder wichtig werden wird?

TOCHTER: Auf jeden Fall. Vor allem weil „Fridays for Future“ und die ganze Klima-Bewegung sagen werden: Schaut mal, wie gut es der Umwelt getan hat, dass wir mal ein paar Wochen nichts gemacht haben. Was wir erreichen können in so kurzer Zeit. Und man könnte natürlich auch noch viel mehr erreichen. Corona ist sogar ein Vorteil für dieses Thema.

Weil sich zeigt, dass Menschen ihre Lebensgewohnheiten ändern können, wenn der Zwang groß genug ist?

Ja. Und auch, dass ganz wenig Zeit und ein paar Veränderungen reichen, damit die Natur sich wieder erholt. In Hongkong kann man jetzt den Himmel sehen. In vielen Flüssen sind wieder Fische aufgetaucht. Nur weil weniger Autos fahren und die Fabriken nicht richtig arbeiten. Jetzt hat man gesehen, wie es funktionieren kann. Natürlich ist es schlecht für die Wirtschaft, aber man kann ja auch an Plänen arbeiten, wie man Wirtschaft betreibt und die Umwelt gleichzeitig schont.

Ich bin eher frustriert. Trotz des Stillstands haben wir dieses Frühjahr eine echte Dürre. Es hat wochenlang nicht geregnet. Die Folgen kannst du überall sehen, im Garten, im Wald, im Park, egal, ob wir weniger Schadstoffe ausstoßen oder nicht.

Man kann aber auch andere Arten in Deutschland und Europa ansiedeln. Natürlich werden die Sommer heißer. Daran müssen wir uns anpassen. Wir müssen uns halt von dem Gedanken trennen, dass die Wiesen grün sind und im Sommer alles schön wie auf einer Postkarte aussieht. Es wird auch wieder Waldbrände geben. Aber damit ist das Klima-Thema auch wieder aktuell. Man muss versuchen, das Positive zu sehen. Auch an der furchtbaren Corona-Krise. Nämlich, dass sie uns gezeigt hat, dass wir auch so leben könnten: ohne Dienstreisen, Flüge und so weiter. Man muss das in Argumente für das Klima umwandeln.

Das ist aber sehr optimistisch gedacht. Wenn Corona vorbei ist, wird alle Energie in die Wirtschaft gehen. Sonst kippt unser Gesellschaftsmodell. Wir sind eine Wirtschaftsgemeinschaft. Wenn das zusammenbricht, haben wir viel Spaß in den nächsten Jahren.

Ich will ja nicht, dass Fabriken stillgelegt werden, damit wir kein CO2 mehr ausstoßen. Aber zwei Tage Italien oder quer durch Deutschland mit dem Auto, weil die Firma das so will - das muss nicht sein. Leute müssen auch nicht jeden Tag mit dem Auto in die Stadt. Sie können von zu Hause arbeiten. Homeoffice wird präsenter.

Vielleicht gibt es sogar bald ein Recht darauf.

Das wäre doch positiv. Wenn Leute sich damit wohlfühlen, sollen sie es machen. Dienstreisen braucht kein Mensch. Videokonferenzen tun es auch. Man muss niemandem die Hand schütteln, nur um sich zu zeigen.