Bildlungssenatorin Sandra Scheeres nachdenklich während einer Plenarsitzung.
Bild: dpa /Monika Skolimowsky

BerlinDie Opposition trommelt gegen Schulsenatorin Sandra Scheeres: Der Fraktionsvorsitzende der FDP im Abgeordnetenhaus Sebastian Czaja forderte am Sonntag den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf, seine Parteifreundin zu entlassen. „Schulgebäude in Berlin bröckeln, das Bildungsniveau nimmt immer weiter ab, Klassenräume sehen aus wie Zeitkapseln, keine einheitliche Gesamtstrategie für Schulen in der Coronakrise und die Bildungssenatorin schaut nur zu“, wetterte Czaja. Bereits in der vergangenen Woche hatte FDP-Ressortsprecher Paul Fresdorf Scheeres' Rücktritt gefordert.

Am Sonnabend hatte auch die CDU eine Regierungserklärung von Müller zur „desaströsen Schul- und Bildungspolitik seines Senats“ eingefordert. „Das neue Schuljahr beginnt mit einem katastrophalen Fehlstart, geprägt von ungenügender Kommunikation und Vorbereitung. Nach ersten Coronafällen und Schulschließungen herrschte heilloses Durcheinander“, so der Unions-Fraktionsvorsitzende Burkard Dregger. An Berliner Schulen brodele es „wie noch nie“.

Alle gegen Sandra Scheeres

In der Tat startet Scheeres nach dem Beginn des neuen Schuljahrs in eine unruhige zweite Woche: Am Donnerstag hatte ein breites Bündnis aus der Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Schüler- sowie Elternvertretern und mehreren Schulleiterverbänden beklagt, Scheeres lasse die Schulen in der Corona-Krise alleine und schlage Gesprächsangebote aus. Das Bündnis forderte ein Soforthilfe-Paket von einer Milliarde Euro für den Bildungsbereich – „damit wir so schnell wie möglich Personal einstellen, zusätzliche Räume und digitale Infrastruktur schaffen und für echte Hygiene an den Schulen sorgen können“, so die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik.

„Wir rufen Senatorin Scheeres dringend dazu auf, endlich mit uns zu sprechen und gemeinsam mit uns Lösungen zu finden. Wir, die Pädagoginnen, die Schulleitungen, die Schülerinnen und Schüler und die Eltern, wollen mitgestalten, wenn es um gute Bildung geht, jetzt und in der Zukunft“, sagte Landeselternvertreter Norman Heise. Der Verweis der Senatorin auf den „Hygienebeirat“, dem die verschiedenen Interessengruppen angehören sollen, reiche nicht aus.

Die Einrichtung des neuen Gremiums hatte Scheeres am vergangenen Wochenende angekündigt, nachdem kurz vor dem ersten Schultag GEW sowie Eltern- und Schülervertreter heftig gegen die Bedingungen des Vollbetriebs protestiert hatten. Der Hygienebeirat soll sich am heutigen Montag in einer ersten Sitzung konstituieren.

Infektionsfälle an mindestens 21 Schulen

Scheeres selbst ist sich keiner Verfehlung bewusst. Nachdem in der vergangenen Woche aus mehreren Berliner Schulen Nachrichten von einzelnen Corona-Infektionsfällen bei Schülerinnen, Schülern sowie Schulangestellten kamen, sagte Scheeres der Berliner Zeitung: „Wir haben mit solchen Fällen an Schulen gerechnet und sind gut vorbereitet. Die Regel ist, die Lerngruppe und die direkten Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne zu schicken.“

In der Berliner Morgenpost verwies Scheeres am Freitag auch auf die Relationen. Bei neun von etwa 900 Schulen handele es sich immer noch um Einzelfälle – allerdings waren der Berliner Zeitung bis Redaktionsschluss am Sonntagabend mindestens 21 Berliner Schulen bekannt, an denen bestätigte Infektionsfälle aufgetreten sind. Bislang scheinen sich die Betroffenen jeweils außerhalb angesteckt zu haben, noch gibt es keine bestätigten Infektionen innerhalb einer Schule. Derzeit ist auch keine Schule geschlossen, das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Friedrichshagen hatte nach eineinhalb Tagen am Freitagmittag wieder seine Türen geöffnet. Wegen einer Infektion im Kollegium hatte der Schulleiter für den Donnerstag selbst die Schließung verfügt.

Bei der Einschulungsfeier an der Karower Grundschule im Panketal am Sonnabend verteidigte die Senatorin die Rückkehr zum Regelbetrieb – und versprach, der Senat werde das Infektionsgeschehen im Blick behalten. „Wenn sich die Situation verschlechtern sollte, werden wir natürlich Anpassungen vornehmen“, sagte Scheeres. „Sie können uns da wirklich vertrauen.“