Berlin - Spricht man mit den Stadtteilmüttern in Neukölln, dann hört man es immer wieder: Wir finden keine Kita-Plätze für unsere Familien. Viele junge Mütter, die vor fünf Jahren aus Syrien, dem Libanon oder dem Irak gekommen sind, warten schon lange auf einen Platz für ihr Kind. Oder sie finden nur dann einen, wenn eine Stadtteilmutter sie an der Hand nimmt und einen Tag lang sämtliche Einrichtungen im Umkreis von fünf Kilometern abklappert. Zugestanden: Wenn die eingewanderten Frauen sie allein abklappern, dann geben sie schneller auf: Nach dem dritten „Nein“ beschließen sie, ihr Kind doch lieber zu Hause zu erziehen, so wie in ihrer Heimatkultur üblich …

Dieser Moment der Resignation, der sich tausendfach in Berlin wiederholt, ist aber fatal für die Bildungsbiografien der betroffenen Kinder. Denn inzwischen ist nur zu gut erforscht, wie wichtig die frühen Jahre für die kindliche Entwicklung sind. Und dass eingewanderte Kinder möglichst früh in die Kita gehen sollten, um die deutsche Sprache zu lernen und zwar so gut, dass sie mit sechs Jahren in der Schule gleich richtig durchstarten können. Wer bei der Einschulung nur rudimentäres Deutsch spricht, läuft Gefahr, schon in der ersten Klasse und auch später zu den Verlierern zu gehören. Das darf nicht sein! Denn das ist so eine unglaubliche Verschwendung von Talenten und der Chance, in diesem Land ein glückliches und gelingendes Leben zu führen!

Bis zum Jahr 2025 fehlen in Berlin geschätzte 30.000 Plätze. Deshalb sollte der Kita-Ausbau in Berlin höchste bildungspolitische Priorität genießen, sollten viel mehr Haushaltsmittel locker gemacht und die motivierten Sozialunternehmer der Stadt ermutigt werden, die Kitas, die sie schon geplant haben, auch wirklich zu bauen. Doch gerade werden die freien Träger wieder entmutigt durch einen kleinen Satz, der im Koalitionsvertrag steht: „Die Koalition setzt das Kitaausbauprogramm bedarfsgerecht mit einem Schwerpunkt auf den kommunalen Landesanteil fort.“ Aus diesem Satz spricht eine Ideologie, die immer noch durch die Flure der Bildungsverwaltung weht: Städtische Schulen gut, freie Schulen böse, städtische Kitas gut, freie Kitas böse. Doch gut ist, was Eltern und Kindern gefällt.