Vor den Toren der Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg: Schulleiter Sven Zimmerschiet.
Foto: Andreas Klug/ camcop media

Die Otfried-Preußler-Schule in Hannover hat den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2020 gewonnen. Die Grundschule in der niedersächsischen Landeshauptstadt erhielt den begehrten Preis am Mittwoch vor allem für ihre Bemühungen im Bereich Inklusion, also dem gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung. Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung für eine besonders gute Schulqualität vergeben. Er ist eine Art Oscar für Schulen und hat in den bald 15 Jahren seines Bestehens wesentlich dazu beigetragen, innovative Schulen in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen.

Die Schulpreisvergabe sollte eigentlich schon am 20. Mai dieses Jahres stattfinden. Wegen Corona fand sie nun am Vormittag des 23. September online über Video statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte dabei erneut, dass Kinder und Jugendliche nicht zu Verlierern der Pandemie werden dürften. Die Siegerschule aus Hannover habe sich ein besonderes inklusives Grundverständnis angeeignet, hieß es bei der Laudatio. Der Schultag starte in jeder Klasse mit einem Morgenkreis am interaktiven Whiteboard, begleitet von Gebärden, die alle Kinder der Schule lernten. „Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen lernen in allen Klassen gemeinsam mit den anderen. Und sie lernen engagiert und erfolgreich . Dafür braucht man an der Otfried-Preußler-Schule keine Noten“, sagte Michael Schratz, Sprecher der Jury.

Beim Schulpreis entscheidet die Jury anhand sechs sogenannter Qualitätsbereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner sowie Schule als lernende Institution. Diese Merkmale seien inzwischen als Kennzeichen für Schulqualität allgemein anerkannt. „Das ist ein gutes Raster, und die Preisträgerschulen müssen in all diesen Teilbereichen überzeugen“, sagte Hans Anand Pant, langjähriger Juror und Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie.

Über hohe Preisgelder freuen können sich auch fünf weitere Schulen: Je 25.000 Euro gehen nach Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Berlin hat es dieses Jahr nicht unter die ersten Plätze geschafft, die Friedensburg-Sekundarschule in Charlottenburg hat aber einen Anerkennungspreis in Höhe von 5000 Euro bekommen. Die Integrierte Sekundarschule, die auch Staatliche Europaschule Berlin ist, schaffte es in die Endrunde von deutschlandweit 15 Schulen. Nach einem Besichtigungstermin lobte die Jury den Umgang mit Vielfalt, die freundliche Atmosphäre und das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Auch die besondere Integrationsleistung der Schule fand Anerkennung: Von 1200 Schülerinnen und Schülern haben 70 Prozent Migrationshintergrund, ein Drittel der Schülerschaft ist lernmittelbefreit. „Die Schule ist ein guter Lebensraum, obwohl sie so groß ist“, sagte Miriam Vock, Professorin für Empirische Unterrichtsforschung.

Aymara von Borries, Schülerin der Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg.
Foto: Andreas Klug/ camcop media

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gratulierte am Mittwoch: „Als einzige Schule im Osten Deutschlands ist die Friedensburg-Sekundarschule beim Deutschen Schulpreis 2020 in die finale Runde gekommen“, teilte Scheeres mit.  Dort gelinge, was ein wichtiges Ziel von Schule sein soll, stellte Scheeres fest: „Möglichst alle Schülerinnen und Schüler zu einem Abschluss zu bringen und direkte Anschlüsse zu organisieren.“ Die Schule ist nach Angaben der Bildungsverwaltung zum Beispiel für die individuelle Förderung der Schülerschaft und für ihr Angebot „Berufsorientierte Projekte“ gewürdigt worden.

Alle nominierten Schulen werden nicht nur von den Preisgeldern profitieren, sondern auch vom Schulentwicklungsprogramm der Robert Bosch Stiftung: Lehrkräfte und Schüler dürfen in der Folge nämlich an Seminaren und Austauschprogrammen teilnehmen.

Die Preisträgerschulen arbeiten weiter im Netzwerk der Deutschen Schulakademie. „Unsere Arbeit bei der Deutschen Schulakademie besteht darin, die Preisträgerschulen miteinander zu vernetzen und ihre inspirierende Arbeit für andere sichtbar zu machen" sagte Hans Anand Pant. "Gemeinsam entwickeln wir außergewöhnliche Fortbildungscurricula, die sich an interessierte Lehrkräfte und Schulleitungen richten und sich den drängenden Problemen unserer Zeit zuwenden: Inklusion, Umgang mit Geflüchteten, mit Digitalisierung usw. Unser Ziel ist es, die Modelle ausgezeichneter Schulpraxis in die Breite der bundesdeutschen Schullandschaft zu tragen.“