Offiziell enden die Schulschließungen in Berlin am 20. April. Doch die Klassen bleiben wohl noch länger leer.
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BerlinKönnen in der kommenden Woche Berliner Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule gehen? Und wenn ja, – wie viele? Auch in der Berliner Schullandschaft wartet alles auf die Beratungen der Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch. Denn vom Ergebnis dieser Beratungen und den Einschätzungen der Bildungsminister der Länder hängt ab, wann und wie es weitergeht. Zum Beispiel in der wichtigen Frage, ob die Länder gestaffelt zum Präsenzunterricht zurückzukehren werden.

Am Montag hatte die Wissenschafts-Akademie Leopoldina dafür plädiert, Bildungseinrichtungen „sobald wie möglich“ wieder zu öffnen und dabei den Fokus auf ältere Kita- und Grundschulkinder zu legen, da deren Eltern stärker auf die Betreuungsleistung der Bildungseinrichtungen angewiesen seien. Doch dass „sobald wie möglich“ in Berlin den 20. April, das offizielle Ende der Schulschließungen, bedeutet, ist fast ausgeschlossen.

Die Bildungsverwaltung teilte am Dienstag nur mit, sie bereite „verschiedene Varianten für die Wiederöffnung der Schulen und auch Kitas vor, insbesondere auch gestufte Vorgehensweisen“. Wie konkret bei Wiederöffnungen vorgegangen werde, hänge von den Entscheidungen auf Bundesebene und in der Kultusministerkonferenz ab. Der Regierende Michael Müller (SPD) sagte zwar, er halte „erste Schritte besonders in den Bereichen Schule und Einzelhandel für wichtig“, dämpfte am Dienstag bei Radio Eins aber Erwartungen, dass dies schon kommende Woche möglich wäre: „Frühestens ab 27. April, eventuell auch erst ab 1. Mai“ sei an Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zu denken.

Empörung bei Lehrern und Eltern

In den sozialen Netzwerken hatten die Vorschläge der Leopoldina bei Eltern und Lehrern für Empörung gesorgt. Viele halten die Bedingungen, die die Akademie für deren Umsetzung formuliert hatte, für unrealistisch: Maximal 15 Kinder in einer Grundschulklasse sowie Einhaltung aller Vorgaben zu Hygiene, Abstand, Mund-Nasen-Schutz. Auch auf die schon vor der Corona-Krise notorischen Probleme mit der Schulreinigung wird oft verwiesen. Der Sprecher der Berliner Schulelternschaft, Norman Heise, hält die Idee der gestaffelten Rückkehr an die Schulen zwar für nachvollziehbar, hat aber ebenfalls Zweifel an ihrer Umsetzbarkeit: „Ich bin nicht sicher, wie das funktionieren soll, wenn nicht mal jede Grundschule mit Warmwasser versorgt ist“, sagte Heise.

Vorschlag für Grundschulen: Aufteilung der Klassen

Astrid-Sabine Busse hingegen, Vorsitzende des Interessenverbandes der Berliner Schulleitungen, ist einverstanden mit den Vorschlägen: „Es wäre ganz wichtig, dass bald wieder normales Leben anfängt. Die Kinder drehen zu Hause irgendwann durch“, sagte die Leiterin einer Neuköllner Grundschule. Am schlimmsten, so Busse, sei der Wegfall der sozialen Kontakte. Ihr Vorschlag für Grundschulen deshalb: eine Aufteilung der Klassen. Die eine Hälfte könnte von acht bis elf Uhr von ihrer Klassenleitung unterrichtet werden, danach werden Tische, Klinken und Toiletten gereinigt, und von zwölf bis 15 Uhr dürfte dann die zweite Hälfte in die Schule kommen. Damit schon am kommenden Montag anzufangen, hält Busse aber nicht für realistisch: „Wir brauchen ein bisschen Vorlauf.“

Vollständig gegen eine Wiedereröffnung der Schulen hat sich Sören Benn (Linke) positioniert. Er ist Bezirksbürgermeister von Pankow, dem kinderreichsten Bezirk Berlins. Benn teilte am Dienstag mit, er halte eine „allmähliche Rückkehr zum Präsenzbetrieb in den Schulen vor den Sommerferien für falsch“. Das Vorhaben stelle Schulleitungen vor unerfüllbare Aufgaben, setze Lehrer, Schüler und Eltern Angststress aus, „der sich in vielfältigen Aggressionsformen ausdrücken wird“. Benn schlägt vor, die Schulen bis zum Sommer geschlossen zu halten und „jetzt alle Kraft darauf zu verwenden, neue Lernformen zu etablieren“.

Denkbar, schreibt Benn in einer Stellungnahme, sei beispielsweise das Aufteilen von Klassen in Fünfergruppen, die nur für eine Doppelstunde an einem Tag in der Woche in die Schule kommen oder das Lernen in Kirchen und Stadtteilzentren.