In Berlin werden nach wie vor Erzieher gesucht (Symbolbild).
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BerlinSind Erzieherinnen mit niedrigeren Schulabschlüssen, die ihren Abschluss in vier Jahren absolvieren, wirklich genauso gut wie die, die in fünf Jahren ausgebildet werden? Den Beweis muss der Schulversuch von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) liefern, der seit einem halben Jahr läuft: 650 Schülerinnen und Schüler an acht Fachoberschulen und bei drei freien Trägern sollen nach dem „2+2“-Modell staatlich geprüfte Erzieher werden können. Das Konzept stellte die Senatorin am Mittwoch in der Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule in Schöneberg vor, eine der Fachoberschulen, die die Schnelldurchlauf-Ausbildung anbietet.

Die Ausbildung ist nicht nur kürzer, sondern senkt auch die Zugangshürden: Klassischerweise brauchen Anwärter auf den Erzieherberuf den MSA und eine abgeschlossene Berufsausbildung, Fachabitur oder das Abitur, um die dreijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Erzieher antreten zu können.

Im „2+2-Modell“ soll, wer bisher nur die Berufsbildungsreife mitbringt, während einer  Ausbildung zur „Sozialpädagogischen Assistenz“ den MSA nachholen können. Der Abschluss wurde für extra für das Modell geschaffen und fokussiert sich anders als die Sozialassistenz ausschließlich auf den pädagogischen Bereich. Wer bei der Abschlussprüfung zur Sozialpädaogischen Assistenz einen bestimmten Notendurchschnitt erreicht, soll die darauffolgende Erzieher-Ausbildung an einer Fachschule verkürzen können, von drei auf zwei Jahre.

Scheeres: Ausbildungssystem muss durchsichtiger werden

Scheeres sieht den Schulversuch als Antwort auf den Mangel an pädagogischen Fachkräften in Berlin: „Wir haben festgestellt, dass die vollschulische Erzieherinnenausbildung nicht ausreicht und dass wir unterschiedliche Wege gehen müssen“, sagte sie und verwies auch auf die Möglichkeit der berufsbegleitenden Ausbildung für Quereinsteiger. Für den Kitaausbau würden in den nächsten Jahren jeweils zwischen 1 500 und 2 000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich gebraucht. Um die in den Markt zu bekommen müsse das Ausbildungssystem durchlässiger werden – „ohne aber die Standards abzusenken, das ist uns ganz wichtig“.

Genau das bezweifelt allerdings die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die das Modell am Mittwoch als „nachhaltige Dequalifizierung“ bezeichnete. Nur bestens ausgebildete Fachkräfte dürften für die Förderung von Kleinkindern zuständig sein. „Wir wollen voll ausgebildete Pädagogen, die auf einem akademischen Niveau in der Lage sind, frühkindliche Bildung zu betreiben“, sagte ein Sprecher. Das „2+2“-Modell sei aus Sicht der Gewerkschaft „ein Schritt zurück zur Basteltante“. Der bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion Paul Fresdorf begrüßte das Modell als „Baustein“, um den Einstieg in den Beruf zu vereinfachen, forderte aber genau wie die GEW, den Beruf insgesamt attraktiver zu machen, um mehr qualifizierte Interessenten anzulocken.