Schüler an einer Grundschule : Manche mit einem etwas eingefrorenen Foto-Lachen! 
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Berlin Gestern noch lagen die großen Koffer mit den schmutzigen Kleidern im Flur, wurden spätabends noch Stifte gespitzt und Hefte eingeschlagen. Heute klingelte zum ersten Mal seit Wochen wieder der Wecker. Etwas Hektik beim Frühstück: Die letzten Löffel Haferflocken, Zähneputzen, Zöpfe flechten, schnell, schnell!

Schön, wieder mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren! Der Fahrtwind im Gesicht, das Fallen und Steigen der Pedalen. Schwellendes Grün in den Gärten. Und manchmal, wenn die Straße gerade leer ist, die Hand der Tochter in der meinen. Vor dem noch eingerüsteten Schulgebäude dann der Andrang der Schüler und Schülerinnen. In hellen Sommerkleidern und T-Shirts stehen sie da, nehmen schnell ihre Maske aus dem Ranzen, bevor sie sich von ihren Eltern verabschieden - vielleicht einen Abschiedskuss über sich ergehen lassen.

Dann strömen sie auf den Schulhof. Ducken sich unter dem Rasensprenger, der ein wenig Kühlung verspricht an diesem heißen Augustmorgen. Man spürt die Aufregung: Wie werden die neuen Lehrer sein, die neuen Mitschüler? Natürlich, es ist ein fragiles Gefühl von Normalität. Aber die Kinder, mit denen ich ein paar Worte wechsele, sind erstaunlich gefasst. Fast schon alte Corona-Hasen, die wissen, was der Hygiene-Plan so vorsieht. Maske, Händewaschen, Lüften, kein Problem! Hauptsache, dass sie ihrer besten Freundin wieder um den Hals fallen können und vielleicht sogar mit ihren Kumpels auf dem Schulhof Fußball spielen.

Durch den Lockdown gibt es eine neue Dankbarkeit – wer hätte sich das träumen lassen Anfang des Jahres? Dass unsere Kinder mal dankbar sein würden dafür, dass sie in die Schule gehen dürfen – und mit einer gewissen Demut auf die Entwicklungen der Zukunft schauen. Ja, der Lockdown war anstrengend, er hat den Familien viel zugemutet, viel schulisches Wissen ist unter den Tisch gefallen. Und doch hat diese Zeit viele Kinder auch selbstständiger und reifer gemacht.

Manche hatten das Glück, nach den Strapazen und Entbehrungen der Corona-Ferien in die wirklichen Ferien aufbrechen zu dürfen. Vielleicht haben sie noch das Rauschen der Ostsee im Ohr und ihr Körper erinnert sich an die Wellen, die sich in ihrem Rücken brechen – in den selbstvergessenen Wochen ohne Schule haben sie Kraft geschöpft für den schulischen Neuanfang.

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