Berlin - Durch eine Änderung des Schulgesetzes wurde eine Regelung beschlossen, gegen die sich die Berliner Schulleitungen bis zuletzt mit deutlichen Worten und Warnungen gewehrt hatten: Das freiwillige Sitzenbleiben wird im Schulrecht verankert. Nun fragt sich bestimmt der oder die eine oder andere, was daran jetzt neu ist. Schließlich konnte man auch bisher einen Antrag auf Klassenwiederholung stellen, ohne dass ein Kind gezwungen war, eine Jahrgangsstufe zu wiederholen. 

Das Novum ist, dass der Antrag durch ein Beratungsgespräch mit der Schule ersetzt wurde und die Empfehlung der Schule nicht verbindlich ist. Die Schule hat somit keine Mitsprache mehr bei Wiederholungswünschen der Eltern.

Schulleiterverbände warnten vor „schulorganisatorischer Katastrophe“

In der Berliner Zeitung hatte noch vor dem Beschluss des vergangenen Donnerstags Astrid Sabine Busse eindringlich davor gewarnt, den Schulen ihr Mitspracherecht entziehen. Dies könne, so die Leiterin einer Neuköllner Grundschule, in ein riesiges Chaos münden, das für die Schulen nicht mehr zu bewältigen wäre.
Auch die Berliner Schulleiterverbände hatten mit einer gemeinsamen Pressemitteilung vor einer „schulorganisatorischen Katastrophe“ gewarnt, die durch eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes hervorgerufen werden könnte.

Ein von der CDU ausgehender Änderungsantrag des Gesetzesentwurfs wurde am Donnerstag abgelehnt und im selben Zug die Änderung des Schulgesetzes beschlossen, wie Rot-Rot-Grün sie vorsah. Das freiwillige Sitzenbleiben ist also beschlossene Sache. Eltern von Kindern in den Klassenstufen 1 bis 10 können dieses Jahr nach einem Beratungsgespräch mit der Schule selbstständig über eine Klassenwiederholung entscheiden. Das Wiederholungsjahr wird nicht auf die maximale Verweildauer im Bildungsgang angerechnet.