Berlin „Ich bin Klassenlehrerin in einer neunten Klasse und unterrichte an einer Sekundarschule in Friedrichshain-Kreuzberg. Fast alle meine Schülerinnen und Schüler kommen aus sozial schwachen Familien, viele haben Migrationshintergrund. Am Anfang des ersten Lockdowns waren die Schüler erst mal überfordert. Nach ein paar Wochen aber haben die meisten gut mitgemacht. Fünf sind auf Tauchstation gegangen, haben kaum Aufgaben geschickt und sich selten gemeldet. Das waren die üblichen Verdächtigen, die auch im Präsenzunterricht Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren. Ein Schüler hat sich überhaupt nicht gemeldet – bis ich eines Tages vor seiner Tür stand, ihm einen Stapel mit Arbeitsblättern in die Hand gedrückt und gesagt habe, dass das so nicht weitergeht.

Bei ihm und den anderen Schülern habe ich viel nachgearbeitet mit Elterngesprächen. Die Mütter und Väter haben sich eigentlich alle einsichtig gezeigt. Da hoffe ich, dass mir ihre Kinder in der nächsten Homeschooling-Phase nicht mehr entgleiten. Wie im Frühjahr werde ich wieder tägliche Telefonzeiten einrichten und mit allen telefonieren, die das Bedürfnis dazu haben. Meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass ich auch bereit bin, ihnen die Aufgaben am Telefon zu erklären. Ich biete das zusätzlich zur Videokonferenz an, um schüchterne Jugendliche in Einzelgesprächen zu unterstützen.

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