Die Autorin ist der Meinung, dass sich das Angebot einer Ganztagesbetreuung für den Staat rechnet.
Foto: dpa

BerlinInvestiere in die Frauen und du bekommst dein Geld zurück. Im Grunde könnte man die neue Studie des Deutschen Wirtschaftsinstitutes mit diesem einen Satz beschreiben. 

Die Wissenschaftler haben sich mit den Kosten eines ehrgeizigen Projektes der großen Koalition beschäftigt: Bis 2025 sollen alle Grundschulkinder bis zur vierten Klasse einen Anspruch auf einen Ganztagsplatz haben. Dass das Milliarden kosten wird, ist schon lange bekannt. Die Kosten waren ja per se schon als Gegenargument zu den Plänen angeführt worden, jenseits von allen pädagogischen oder sozialpolitischen Vorzügen oder Nachteilen der Ganztagsbetreuung.

Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger

Die neue Studie legt nun dar, dass die Steuereinnahmen im Gegenzug auch steigen werden. Weil Frauen dann ganztags arbeiten können und entsprechende Steuern und Abgaben entrichten. Denn es sind ja auch im 21. Jahrhundert vor allem die Mütter, die zu Hause bleiben, wenn Kinder kommen. Später kehren sie allenfalls in Teilzeit auf den Arbeitsmarkt zurück, schon allein, weil Kitas und Horte oft zu früh schließen.

Lesen Sie auch: Mehr Frauen in den Vorständen – Männer dominieren aber weiterhin

Eine große Karriere machen dann logischerweise die wenigsten. Daher verdienen Frauen im Schnitt deutlich weniger als Männer, haben geringere Renten, ein größeres Armutsrisiko. Zynisch, aber logisch. Investiere in Frauen und du bekommst dein Geld zurück. Der Effekt ist bekannt, man kennt ihn aus den Projekten, mit denen in den sogenannten Entwicklungsländern Bildung, Gesundheit und Wohlstand gefördert werden sollen.

Umfassende Kinderbetreuung in der DDR

Was die Erwerbstätigkeit von Frauen betrifft, ist Deutschland – gemeint ist hier der Westen – erst seit wenigen Jahrzehnten kein Entwicklungsland mehr. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass die Hausfrauenehe der Standard war. Es wird viel darüber gesprochen und geschrieben, ob die umfassende Kinderbetreuung in der früheren DDR den Kinder geschadet hat oder nicht.

Man kann aber ruhig auch einmal thematisieren, dass die Rundum-Betreuung durch nicht berufstätige Mütter für die betroffenen Kinder im Westen auch kein Zuckerschlecken war. Kein Schritt im eigenen Zuhause ohne Überwachung. Hast du die Hausaufgaben fertig? Was machst du am Kühlschrank? Jetzt wird noch nicht ferngesehen! Viele von uns sind mit 18 Jahren sofort ausgezogen.

Spagat zwischen Arbeit und Kind

Das mag lustig klingen, aber wenn man bedenkt, dass damals die eine Hälfte der Bevölkerung ihren Ehrgeiz und ihre Talente ausschließlich im Haushalt ausleben musste, damit die andere Hälfte ungestört Karriere machen konnte, dann bleibt einem das Lachen doch eher im Hals stecken. Und kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass es für Mütter (und heute auch ein bisschen für Väter) doch wunderbar sein muss, genügend Zeit fürs Kind zu haben.

Lesen Sie auch: Mit krankem Kind zu Hause – so hätten es Eltern leichter

Wer Nachwuchs bekommt, weiß, dass man auf Jahre hinaus im Zwiespalt leben wird. Ist man beim Kind, denkt man, man müsste eigentlich am Arbeitsplatz sein. Und umgekehrt. Kinder zu haben ist klasse, aber wer es als Idylle beschreibt, hat absolut keine Ahnung davon. Die Wirklichkeit ist ohnehin viel profaner: Beim Ausbau der Kinderbetreuung geht es nämlich schon lange nicht mehr darum, Eltern die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung zu geben, indem sie berufstätig bleiben. Es geht darum, die Strukturen der gesellschaftlichen Realität anzupassen.

Kinderbetreuung für qualifizierte Arbeitskräfte

Der Job für beide, Mutter und Vater, ist für die meisten Familien schlicht lebensnotwendig. Bei den rasant steigenden Mieten können Familien mit Kindern in den Ballungszentren nur mithalten, wenn beide Elternteile arbeiten gehen. Das heutige Rentenniveau legt ohnehin nahe, dass jeder besser für sich selbst vorsorgt. Und wer sich ein bisschen mit dem Scheidungsrecht befasst hat, rät jeder jungen Mutter, bloß nicht den Anschluss an den Arbeitsmarkt zu verlieren.

Gleichzeitig macht es aber auch der geografische Wandel notwendig, dafür zu sorgen, dass man nicht regelmäßig einen großen Teil der erwerbstätigen Generation aus qualifizierten Jobs verliert. Investiere in die Frauen und du hilfst dir selber als Staat.