Maskenpflicht, Abstand halten und dann noch Freundschaften pflegen? Auf die Kinder kommt eine Menge zu nach den Sommerferien.
Foto: Imago/Valentina Barreto

BerlinWenn am Montag die Schule wieder losgeht, wird bei Eltern, Lehrern und Kindern große Unsicherheit herrschen. Es gibt die Angst vor der Infektion. Und es gibt strenge Bestimmungen wie die Maskenpflicht. Konflikte werden da nicht ausbleiben. Ein Interview mit Herbert Scheithauer, Professor für Entwicklungspsychologie an der FU Berlin. 

Herr Scheithauer, an den Schulen gibt es strenge Vorsichtsmaßnahmen, um Infektionen zu vermeiden. Die Schule ist aber auch wichtig als Ort der Begegnung. Wie kann man mit dieser Situation umgehen?

Das ist eine Mammutaufgabe. Fangen wir bei den Kindern an: Sie müssen verstehen, dass es Regeln gibt und warum es sie gibt. Hilfreich ist es auch, gemeinsam mit ihnen Lösungen zu entwickeln. Kinder haben oft gute Ideen, auf die Erwachsene gar nicht kommen. Wenn man den Kindern also Verantwortung gibt und sie an der Entscheidungsfindung beteiligt, dann gibt es eine große Chance, dass Absprachen auch eingehalten werden.

Herbert Scheithauer Foto: Banane Design Gmbh Bremen
Zur Person 

Herbert Scheithauer ist Psychologe und Hochschullehrer an der FU Berlin. Nach seinem Zivildienst studierte Scheithauer ab 1991 an der Universität Bremen Psychologie und Soziologie. Seit 2010 ist er Professor für Entwicklungspsychologie und Klinische Psychologie in Berlin.

Was gilt für die Eltern?

Wir leben in einer sehr komplexen Gesellschaft, in der alles genau eingetaktet und aufeinander abgestimmt ist. Wenn etwas in Wanken gerät, kann das massive Auswirkungen haben. Das haben Familien zu spüren bekommen. Sie haben oft die Erwartung, dass alles so wird wie vor der Pandemie.

Aber das können Schulen nicht leisten.

Nein, die werden nicht zack, zack, zack alles genauso hinbekommen wie vor der Corona-Zeit. Eltern sollten nicht immer die perfekte Lösung erwarten. Anderseits sollten die Schulen auch nicht erwarten, dass alle Eltern immer besonnen reagieren können.  Wir befinden uns in einer Partnerschaft, zu der alle ihren Beitrag leisten müssen.

Corona-Leugner werden da kaum mitmachen.

Man muss Eltern und Kindern erklären, dass die Schule ein anderer Ort ist als die Familie. Wenn die Eltern eine kritische Grundhaltung haben, sollte man sie darin erinnern, dass es einen gesellschaftlichen Konsens gibt und es nicht ums Rechthaben gehen kann. In der Schule gelten Regeln, an die sich alle halten müssen, damit die Kinder den Schulfrieden genießen und gefahrlos lernen können.

Bleiben noch die Lehrer.

Die stehen vor einer wahnsinnigen Herausforderung. Niemand hat Schulgebäude so gebaut, dass Hygieneregeln, wie wir sie jetzt brauchen, eingehalten werden können. Lehrkräfte sollten in dieser Zeit mit gutem Beispiel vorangehen und ruhig, sachlich und besonnen auftreten.

Das ist nicht so einfach in diesen unruhigen Zeiten.

Aber es macht momentan gar keinen Sinn, zu katastrophisieren oder sich zu verweigern. Am besten ist es, ehrlich zu sagen, wenn man an seine Grenzen kommt. Dann kann man auch Eltern um Unterstützung bitten.

Können wir auf Routine hoffen?

Die Sehnsucht nach dem Leben vor Corona wird schon bleiben. Es gibt aber auch die Möglichkeit, aus dieser Zeit für die Zukunft zu lernen, die Digitalisierung ist da ein großes Thema.