Berlin - Alexander, Rolf, Jürgen, Manfred, Dieter, Hans-Jürgen, Kurt, Jörg und zuletzt Christian: Die bisherige Präsidentenriege der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) war vor allem eines: männlich. Doch diese Tradition wird nun gebrochen. Ab dem 1. April steht erstmals eine Frau an der Spitze der TU: Geraldine Rauch, Professorin für Biometrie und Prodekanin für Studium und Lehre an der Uniklinik Charité.

Der erweiterte Akademische Senat wählte die 40-Jährige am Mittwoch in das Amt. Womit vorher fast keiner gerechnet hätte: Bereits im ersten Wahlgang konnte sich Rauch mit der absoluten Mehrheit von 31 der 61 Stimmen durchsetzen und damit Amtsinhaber Christian Thomsen entmachten, der sich nach acht Jahren als Unipräsident für eine dritte Amtszeit beworben hatte. Er erhielt nur 21 Stimmen. Die dritte Bewerberin, die frühere Vizepräsidentin Ulrike Woggon, kam auf sieben Stimmen. 

Erstmals eine Professorin der Charité

Und Geraldine Rauch bricht auch eine weitere Tradition: Die TU hat bisher ihre Präsidenten stets aus der eigenen Professorenschaft rekrutiert. Nun ist es erstmals eine Professorin der Charité.

Rauch, geboren in Heidelberg, studierte Mathematik an der Universität Bremen, lehrte und forschte an der Universität Heidelberg, Cardiff und am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. 2017 trat sie ihre jetzige Professur an der Charité an. Dort ist die 40-Jährige zudem Direktorin des Instituts für Biometrie und Klinische Epidemiologie mit einem Team von 36 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Weitere Wahlen stehen im Februar an

Mit der Übernahme des Amtes als TU-Präsidentin trägt Rauch nun Verantwortung für eine Reihe von Projekten, etwa für das KI-Kompetenzzentrum Bifold oder das geplante Einstein Center Climate Change. Die neue Berliner Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne) gratulierte Geraldine Rauch bereits zur Wahl. Es würden große Aufgaben für die Universität anstehen, wie die Gestaltung der Universität nach der Pandemie. Im Februar stehen dann auch an der Humboldt-Universität und an der Freien Universität Präsidentenwahlen an. Ob auch dort Traditionen gebrochen werden? Es bleibt spannend.