Berlin -  Unter den Siegern des diesjährigen Wettbewerbs „Jugend forscht“ sind  sechs  Talente aus Berlin. Paul Siewert, Juri Kaganskiy, Amon Schumann, Anna-Yaroslava Bodnar, Alexander Csaba Baumgarten und Camille Westerhof sind zwischen 16 und 20 Jahre alt und haben sich mit Projekten in Mathematik, Informatik, Technik, Chemie und Physik hervorgetan. Drei Preisträger besuchen das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichhain, das ein mathematisch-naturwissenschaftliches Profil hat und schon seit Jahren regelmäßig Schüler zu „Jugend forscht“ entsendet.

Paul Siewert ist 18 Jahre alt und gerade dabei, am Heinrich-Hertz-Gymnasium sein Abitur zu schreiben. Am Mittwoch hat er noch eine mündliche Prüfung in Mathematik, der er ziemlich gelassen entgegenblickt. Denn er und seine zwei Mitstreiter haben am Sonntag den Bundessieg „Jugend forscht“ errungen für ihren kreativen Umgang mit der Programmiersprache „FRACTRAN“. Sie wurde in den siebziger Jahre von dem englischen Mathematiker John Conway erfunden und hat eine interessante Eigenschaft: Obwohl sie lediglich auf der wiederholten Berechnung von Brüchen basiert, lassen sich durch sie im Prinzip alle denkbaren mathematischen Aufgabenstellungen berechnen. Das hat Paul und sein Team fasziniert. Er sagt: „Wir wollten eine grundlegende Frage der theoretischen Informatik beantworten – nämlich, wie man mit FRACTRAN alles berechnen kann, was sich überhaupt berechnen lässt“. Dabei ist es gelungen, ein basales Programm durch geschickte Optimierungen zu verkürzen.

Paul Siewert, Juri Kaganskiy und der Hamburger Schüler Christian Grabbel haben sich durch den Mathematik-Professor Dirk Schleicher kennengelernt. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Mathematiker zusammenzubringen und zu fördern. Von ihm stammt die ursprüngliche Idee, sich mit der fast in Vergessenheit geratenen Computersprache zu beschäftigen. Paul erzählt, dass er etwa ein halbes Jahr an seinem Projekt gearbeitet habe. „Das hat einen großen Teil meiner Nachmittage und auch meiner Abende gefüllt.“ Dennoch hat er sich weiter als Schulsprecher und im Landesschülerausschuss engagiert. Dass er nach seinem Abitur Mathematik studieren und möglichst in die Forschung gehen möchte, weiß er schon seit Jahren. 

Privat
Paul Siewert, auch er Schüler am Heinrich-Hertz-Gymnasium, in ironischer Denkerpose. Zusammen mit Juri Kaganskiy und Christian Grabbel forschte er zur Computersprache FRACTRAN. 

Als Paul Siewert seinen Eltern, die als Nachrichtentechniker arbeiten, beim Abendbrot von der Preisverleihung erzählte,  „waren sie sprachlos und sehr sehr stolz“, wie er sagt. „Und als ich dann noch kurz in der Tagesschau auftauchte, trudelten kurze Zeit später von allen Seiten - Familienmitgliedern und Freunden - die Glückwünsche ein.“

Auch Anna-Yaroslova Bodnar (16) und Alexander Csaba Baumgarten (17) besuchen das Heinrich-Hertz-Gymnasium – und kennen sich, weil sie seit der fünften Klasse zusammen Unterricht haben. „Vor ein paar Jahren haben wir beide unsere Liebe für die Chemie entdeckt, Bücher ausgetauscht und anfangen, an Chemie-Wettbewerben teilzunehmen“, erzählt Anna-Yaroslava. Für Jugend forscht haben sie und Csaba sich mit der Frage beschäftigt, wie sich schnell und einfach der Aluminiumgehalt in Nahrungsmitteln bestimmen lässt.

„Wir haben uns gut ergänzt,“ sagt Anna, die so schnell spricht, dass man ihr kaum folgen kann: „Csaba hat sich um den experimentellen Teil des Projekts gekümmert und ich um den theoretischen.“ Ihre Eltern sind beide Mathematiker, aber Annas Interesse für Naturwissenschaften wurde im Gymnasium geweckt. Sie findet ihr schulisches Umfeld sehr inspirierend. „Es gibt viele Lehrer, die uns motivieren, die Quereinsteiger sind und für ihr Fach brennen. Und es gibt viele interessierte Schüler – und wir pushen uns gegenseitig.“ Anna spielt Geige und schwimmt gerne, Csaba singt im Staats- und Domchor Berlin. Beide träumen von einem Leben in der Forschung. „Es ist so toll, wenn man etwas entdeckt oder gemeinsam etwas erschaffen kann,“ sagt Anna.