Und die Finger bitte da drauf: Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Schülerinnen der Friedensburg-Sekundarschule.
Foto: Sabine Gudath

BerlinBildungssenatorin Sandra Scheeres wollte eine Erfolgsgeschichte erzählen. Und tatsächlich ging es am Mittwochnachmittag auch um einen Erfolg. Allerdings nicht um den der Senatorin. Scheeres wollte zeigen, wie gut die vor zehn Jahren begonnene Schulstrukturreform in Berlin funktioniert hat, also die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen zu Integrierten Sekundarschulen.  

Als Beispiel wählte sie die Friedensburg-Schule, doch ausgerechnet deren Erfolg hat mit der Schulstrukturreform wenig zu tun. Sie ist zwar eine Musterschule, aber eine, die zeigt, wie sich eine Schule entwickeln kann, wenn die Bildungsverwaltung gute Schulleiter arbeiten lässt. Die Friedensburg-Oberschule war schon vor der Schulstrukturreform eine Gesamtschule. Nun ist sie eben eine Integrierte Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe. Eine von etwa 50 in Berlin, und doch ist sie besonders.

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Seit 2004 ist sie eine Staatliche Europaschule. Vier von acht Klassen einer Jahrgangsstufe werden halb auf Deutsch, halb auf Spanisch unterrichtet. Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sind deshalb Spanisch-Muttersprachler. Und ohne Abschluss verlassen die Schule jedes Jahr höchstens eine Handvoll Schülerinnen und Schüler. Berlinweit blieben im vergangenen Schuljahr hingegen mindestens acht Prozent aller Schüler ohne Schulabschluss.

Große Schule aufgeteilt in mehrere kleine

Das sind sogar etwas mehr als vor der Schulstrukturreform, die das explizite Ziel hatte, diese Quote zu verringern. 1 200 Schüler besuchen die Friedensburg-Oberschule, die nach dem Jahrgangsstufenprinzip arbeitet. Das bedeutet, dass alle Klassen einer Jahrgangsstufe – von der 7. bis zur 10. Klasse – auf einem Gang liegen und vom gleichen Team aus Jahrgangsstufenleitern, Klassenleitern, Erzieherinnen, Sozial- und Sonderpädagogen betreut werden. Selbst die entsprechenden Lehrerzimmer sind auf diesem Gang.

„Wir brechen die große Schule auf in mehrere kleine“, sagt Schulleiter Sven Zimmerschied. Das ermögliche eine enge Begleitung der Schüler. Außerdem beschäftigen sich die Schüler und Schülerinnen in berufsorientierenden Projekten vier Stunden pro Woche mit Verlässlichkeit und Selbstorganisation. Das Konzept ist nicht nur in Berlin besonders, es hat inzwischen auch national Beachtung gefunden, denn die Friedensburg-Oberschule darf sich zu den 20 besten Schulen Deutschlands zählen.

Gerade erst hat es die Charlottenburger Schule in die Vorauswahl des Deutschen Schulpreises geschafft, der einmal im Jahr von der Robert-Bosch-Stiftung verliehen wird. 2015 ist ihr das schon einmal gelungen. Der Erfolg der Schule ist also da. Doch mit der Schulstrukturreform allein hat das nichts zu tun, sagt Schulleiter Sven Zimmerschied. „Wir wären wohl eher ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Schulentwicklung.“

Die Antwort ist nicht so einfach

Außerdem war die Friedburg-Oberschule schon vor der Schulstrukturreform vor zehn Jahren eine Gesamtschule, an der man vom berufsbildenden Abschluss bis zum Abitur alles machen konnte. Auch deswegen ist die Reform hier deutlich weniger rumpelig gelaufen als an so mancher Realschule, die mit einer Hauptschule zusammengelegt wurde. Übrig geblieben sind auch heute noch knapp 80 andere Integrierte Sekundarschulen, an denen noch immer keine Abiprüfung abgelegt werden kann.

Diese hätten im Jahr Zehn der Schulstrukturreform das „Image der Resterampe“, kritisierte die Industrie- und Handelskammer vor wenigen Tagen – und erntete Zuspruch der Elternvertreter. „10 Jahre Schulstrukturreform: Wie individuelles Lernen gelingen kann“ – so war der Termin von Mittwoch überschrieben. Doch am Ende zeigte sich, dass die Antwort gar nicht so einfach ist.

Und so blieb auch Scheeres bei der Pressekonferenz an der Friedensburg-Oberschule nichts anderes übrig, als die bekannten Versprechen zu wiederholen: Schulsozialarbeiter an allen Schulen, mehr Personal für Sekretariate, IT-Leitstellen, intensivere Bemühungen um die Sekundarschulen mit „herausfordernder Schülerschaft“. Sie wisse, sagte sie am Ende der Veranstaltung, dass es noch viel zu tun gibt.