Berlin - Zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten! Die Studierenden-Initiative #NichtNurOnline versteigerte am 15. März in einer Protestaktion symbolisch das Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin nach kurzer Auktion für schlanke 86 Euro und eine Club-Mate. Die Räumlichkeiten Unter den Linden würden schließlich, so Lucie Gröschel provokativ, nicht mehr gebraucht. Jegliche Lehrveranstaltungen finden ohnehin nur noch online statt. Lucie studiert Politikwissenschaft an der FU und ist einer der Köpfe der Initiative von Studierenden der vier Hochschulen HU, FU Beuth und UdK.

Auch bei den Redebeiträgen der Protestaktion vor dem Haupteingang der HU ist Lucie vertreten. Aber auch weitere Studierende und ein Dozent der HU, Roberto Lo Presti. Der Dozent für klassische Philologie hatte zuletzt auch in der Berliner Zeitung einen Gastbeitrag zum Thema veröffentlicht. Trotz Wind und Wetter versammelten sich um die 200 Menschen vor den Toren der geschlossenen Universität. Sie applaudieren Lo Presti für seine deutlichen Worte über das „Versagen der Politik“ beim Nicht-Einbezug der Hochschulen in die Öffnungspläne, in denen diese überhaupt keine Rolle spielen.

In allen Redebeiträgen wird die schwierige Situation der Studierenden deutlich, die nicht einfach nur „genervt“ sind vom Lernen zu Hause. Sie geraten durch wegfallende Nebenjobs in der Pandemie in finanzielle Notlagen und entwickeln ernsthafte psychische Probleme.

Immer wieder wird in den Redebeiträgen das Thema der Einsamkeit angesprochen. Die Redner erzählen von Studierenden, die nach dem Abstempeln ihres Semestertickets nie wieder ein Unigebäude von innen gesehen haben. Von Erstis, die nach Berlin kamen, um in ihrer Traumstadt ihr Lieblingsfach zu studieren, sich von der Stadt entfremdeten und nach einem Jahr Studium in ihrem WG-Zimmer überlegen, das Studium hinzuschmeißen.

Auch von den Hochschulleitungen, an die sich ein offener Brief der Initiative richtet, fühlen sich die Studierenden im Stich gelassen. Auf die Frage, ob die Initiative durch die Hochschulleitungen in irgendeiner Weise Unterstützung erfahren habe, schüttelt Lucie nur den Kopf:  „Keine!“, sagt sie energisch. Dabei wurde den Studierenden, auch das betonen sie im Laufe der Kundgebung, wieder und wieder so viel Präsenz wie möglich versprochen.

Auf Anfrage der Berliner Zeitung gab der Pressesprecher der HU ein Statement zu den Forderungen der Studierenden ab, in dem er keine Änderungen für den Start des Sommersemesters in Aussicht stellt, aber offenlässt, ob sich an den Lernformaten im Laufe des Semesters etwas ändern kann: „Die Universität in einer so kritischen Phase der derzeit prognostizierten dritten Welle – und angesichts aktueller Forderungen von Expert:innen nach einem weiteren Lockdown – gleich zu Beginn des Sommersemesters stärker für Präsenzlehre zu öffnen als bisher geplant, birgt ein zu hohes Risiko. Aus diesem Grund haben die Berliner Hochschulen gemeinsam mit dem Land beschlossen, den Vorlesungsbetrieb im kommenden Sommersemester zunächst im digitalen Modus zu starten.“