Kennen Sie schon die Hasen-Zeitung? 
Foto: Privat

BerlinDies ist eine Hommage an die Grundschullehrerin unserer Tochter, die auf die Herausforderungen der Corona-Zeit mit viel Phantasie und Herzlichkeit reagiert. Sie heißt Frau Breüer, ist Anfang fünfzig und eigentlich kein „digital native“. Trotzdem hat sie gleich zu Beginn des Shutdown einen digitalen Klassenraum namens „Classdojo“ eingerichtet, in dem sich Lehrer, Schüler und Eltern austauschen können. Dort hat sie Videos mit kurzen Grußworten hochgeladen: „Guten Morgen, liebe Delfinis. Ich hoffe, es geht euch gut. Sitzt ihr schon am Schreibtisch?“

Immer am Sonntagnachmittag bekamen wir Eltern per Email den neuen Wochenplan: Ca. zehn Arbeitsblätter in Deutsch, Mathe und Sachkunde, Angaben der Seitenzahlen in den vertrauten Arbeitsheften. Dazu noch ein paar Extras wie den Link zu einem Youtube-Film über das Leben eines Jungen in Ghana oder die Bastelanleitung für einen Schmetterling.

Einmal sollten die Kinder ein Frühlingsgedicht auswendig lernen und dann ihre Lehrerin anrufen, um ein wenig zu plaudern und das Gedicht am Telefon vorzutragen. Tags drauf galt es, einen ausgewählten Verwandten damit zu beglücken. Bei uns fiel die Wahl auf die Großeltern, die im fernen Süddeutschland leben und sich sehr über diesen telefonischen Gruß gefreut haben.

Das Päckchen persönlich vorbeigebracht

Unsere Tochter war täglich gut zwei Stunden beschäftigt und stolz, dass sie viele Aufgaben wirklich allein bewältigen konnte. Morgens musste ich erst einmal alle Zettel für sie ordnen und den Startschuss geben, am Ende die Rechtschreibung kontrollieren.

Natürlich gab es auch Hängepartien, dann habe ich manchmal ihren Bruder gebeten, sie aufzumuntern oder mit ihr die Neuner-Reihe zu üben. In Mathematik ist nämlich gerade das Einmaleins dran, und unser dreizehnjähriger Sohn wächst durch die Erfahrung, dass er für seine kleine Schwester schon den Hauslehrer spielen kann. Gelassen sitzt er im Schneidersitz auf dem Boden und fragt sie immer wieder, was acht mal neun ist.

Kurz vor den Osterferien hat Frau Breüer sämtliche Kinder in ihrer Klasse aufgesucht und ihnen ein Päckchen vor die Tür gelegt: Die Hand meiner Tochter zog einen Brief hervor, einen Schokoladenhasen und ein Tagebuch. Zehn freie Zeilen pro Ferientag - und die Bitte, dass die Kinder dort ihre Erlebnisse aufschreiben und sich erinnern, was vom Tage übrigblieb.

Für jeden neuen Tag hat Frau Breüer sich eine kleine Zugabe ausgedacht: Das kann ein Rätsel sein, eine Geschichte oder ein fingierter Zeitungsartikel mit dem Titel: „Müssen Berliner auf den Schoko-Osterhasen verzichten?“

Voilà: Die Hasen-Zeitung

Dieser Artikel hat unsere Tochter heute zu einer eigenen „Hasen-Zeitung“ inspiriert. Geschrieben mit der Rechtschreibung des Herzens, die ich diesmal lieber nicht korrigiere: „Skandal!  Paulitikerin Merkel meind: dass das Osterfest ausfalen solte und die Osterhasen keine Eier fersteken solten damit sich nicht mer so viele ansteken. Der matematisch geschulte Hasenminister meind: es hätte keinen Zwek denn Osterhasen können kein Corona bekommen.

Todesfal: Am 12.4. fras ein Mörder fon einem Wanderfalken die berühmte Schriftstelerin Mümmelmüpsine“.  - Diese Zeitung sollte ich unbedingt Frau Breuer schicken.