Ende Februar sollen endlich Schulplätze für alle da sein.
Symbolbild: dpa

BerlinNachdem ein „Hilferuf“ des regionalen Schulamts für Aufsehen gesorgt hatte, hatten der zuständige Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) und die Senatsschulverwaltung schnelle Abhilfe versprochen, doch noch immer haben nicht alle der 86 Kinder in Tempelhof-Schöneberg einen Schulplatz bekommen.

Zu den Engpässen Ende November 2019 war es nach Auskunft des Bezirks gekommen, weil in anderen Bezirken Flüchtlingsunterkünfte geschlossen worden waren. So hätten beispielsweise auf einen Schlag 130 Personen, überwiegend Familien aus der Erstaufnahmeeinrichtung Stresemannstraße in Kreuzberg, auf Unterkünfte in Tempelhof-Schöneberg verteilt werden müssen.

Sieben Lerngruppen werden eingerichtet

Als der Vorgang in der ersten Schulwoche nach den Weihnachtsferien öffentlich geworden war, hatte Schworck sich wie berichtet zunächst zuversichtlich gezeigt, dass die Plätze noch in derselben Woche eingerichtet werden können. Dann hieß es, spätestens nach den Winterferien könnten alle Kinder untergebracht werden. Nach aktuellen Informationen dauert es nun allerdings noch mindestens bis Ende Februar, bis die Schulpflicht für alle im Bezirk eingehalten werden kann. Die nötigen Lehrkräfte werden gerade noch eingestellt.

Bei den Wartenden handelte es sich um Kinder und Jugendliche, die in Flüchtlingsunterkünften leben: 50 im Sekundarstufenalter (Klassen 7 – 10), 30 im Grundschulalter (Klassen 3 – 6) und sechs in der Schulanfangsphase. Weil sie nur wenig oder gar kein Deutsch können, haben sie Anspruch auf einen Platz  in einer Lerngruppe, einer der sogenannten „Willkommensklassen“.

Immerhin: Nach dem Brandbrief aus dem Schulamt, in dem der Leiter des Fachbereichs Schulplanung, Steffen Künzel, auch die mangelnde Kooperationsbereitschaft einiger Schulen im Bezirk angeprangert hatte, hatten sich im Januar innerhalb weniger Tage Schulen bereit erklärt, die benötigten sieben Lerngruppen einzurichten.

Dass trotzdem offenbar immer noch einige auf der Warteliste nicht zur Schule gehen, liegt laut Schulstadtrat Schworck daran, dass die Lehrkräfte für die neuen Lerngruppen erst gesucht werden mussten: „Die Einstellungsverfahren konnten erst vom Zeitpunkt der Genehmigung der zusätzlichen Lerngruppen aufgenommen werden.“ Eine Sprecherin der Schulsenatsverwaltung, die für die Einstellung zuständig ist, sagte: „Wir gehen davon aus, dass die Lehrkräfte rechtzeitig an Bord sein werden.“ Gemeint ist der neue Termin Ende des Monats.

Einige warten schon seit Monaten

Einige Schülerinnen und Schüler kommen wohl aber gleich in Regelklassen unter, trotz mangelnder Deutschkenntnisse. Um sie zu unterrichten wollten, so Schworck, einzelne Schulen „individuelle Modelle“ erproben. Welche der Tempelhofer Schulen nun Willkommensklassen eingerichtet haben oder anderweitig Neuankömmlinge unterbringen, teilte der Bezirk nicht mit.

Auf eine Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus, hatte die Senatsschulverwaltung Ende Januar erklärt, dass es „im Einzelfall“ zwei bis vier Wochen dauern könne, bis Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse in die Schule gehen könnten. Als Gründe werden gehäufte Zuzüge aus dem Ausland, Familienzusammenführungen und Eröffnung, Schließung und Belegung neuer Unterkünfte genannt.

Auch das Schulamt Tempelhof-Schöneberg weist darauf hin, dass die Zahl der Kinder, die Schulplätze brauchen, sich zum Teil täglich ändere. Klar ist, dass in diesem Fall einzelne Kinder und Jugendliche nicht seit Wochen, sondern seit Monaten auf einen Schulplatz warten.  Hagen Kliem, Mitglied der CDU-Fraktion im Bezirk, forderte deshalb für die Zukunft Übergangslösungen: „Lieber in der Einrichtung oder andernorts unterrichten als monatelang gar nicht.“