BerlinAngesichts steigender Infektionszahlen auch unter Kindern und Jugendlichen wird über eine Weiterentwicklung des Corona-Stufenplans diskutiert. Der seit den Herbstferien geltende Plan stuft Schulen je nach Infektionslage ein. Er legt fest, welche Einschränkungen und Maßnahmen bei einer weiteren Zunahme der Infektionszahlen vorgesehen sind. Dabei wird zwischen vier farblich differenzierten Stufen unterschieden. Die Kriterien  für die Eingruppierung waren aber von Anfang an umstritten.

Grundlage für eine Modifizierung könnte das Modell des Bezirks Pankow sein: Dort hat sich das ämterübergreifende Corona-Kompetenzteam Schule ausgedacht, wie man die verschiedenen Informationen zur Corona-Situation an Schulen in ein Ziffernsystem übersetzen kann. Dieses wurde am Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vorgestellt.

Norman Heise, der Vorsitzende des Landeselternausschusses, forderte im Gespräch mit der Berliner Zeitung, dass die Bildungsverwaltung dem Pankower Beispiel folgen soll und dass alle Bezirke das Ziffernsystem verbindlich übernehmen. Zugleich vermutet er, dass eine Verschärfung der Kriterien dazu führen würde, dass die Stufe Rot an Schulen etwas früher gezündet wird.

Die Gesundheitsämter haben aktuell drei Schulen als Rot einsortiert; das heißt: Dort findet kein Regelunterricht mehr statt. Sie stellen auf kleinere Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause um. 47 Schulen sind als grün und damit als unproblematisch eingestuft, 586 Schulen wurden in die Stufe Gelb eingeordnet. Dort sollen verstärkte Hygieneschutzmaßnahmen ergriffen werden. 154 Schulen sind auf der orangenen Stufe – weitere Maßnahmen wie eine Maskenpflicht im Unterricht sollen greifen.

Der Berliner Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Tom Erdmann, hatte Anfang der Woche gefordert, den Regelbetrieb zu beenden und die Schulen wieder auf hybrides Lernen umzustellen. Um das Infektionsgeschehen zu bremsen, aber auch, um für seine Klientel zu sprechen: Lehrerinnen und Lehrer, die sich nicht mehr ausreichend vor einer Ansteckung geschützt fühlen.

Der Landeselternausschuss hingegen plädiert für eine Fortentwicklung des Stufenplans. Der Senat solle einheitliche und transparente Kriterien definieren, forderte Norman Heise: Bei der Einsortierung einbezogen werden müssten neben den konkreten Corona- und Quarantäne-Zahlen das Infektionsgeschehen in den Bezirken, aus denen die Schüler an Oberschulen kommen und im gesamten Einzugsbereich der Grundschulen gemäß RKI-Kriterien sowie die räumlichen Gegebenheiten zu Lüftungsmöglichkeiten, Alter der Schüler und Kohortenbildung. Und nicht zuletzt die personelle Situation.

Befeuert wird die Diskussion um den Stufenplan durch die neuesten Zahlen zur Pandemie: Zum ersten Mal in der Corona-Krise war die Sieben-Tage-Inzidenz der 15- bis 19-Jährigen am Mittwoch etwas größer als diejenige der 20- bis 24-Jährigen. Im Lagebericht des Landesamts für Gesundheit lag die erstgenannte Altersgruppe am Mittwoch bei 304, 4, die zweitgenannte bei 302,2. Am Donnerstag tauschten die beiden Altersgruppe die Spitzenplätze wieder:  Bei den Älteren lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 338,2,  bei den Jüngeren bei 325,1.  Anders betrachtet: 487 Berliner im Alter zwischen 15 und 19 sind positiv auf das Coronavirus getestet worden (31 mehr als am Donnerstag der Vorwoche) und 691 im Alter zwischen 20 und 24 (plus 73).