Fit für den digitalen Wandel in der Industrie - Berliner Schüler können bald ein Digitales Abitur absolvieren.  
Fotos: dpa

Berlin-Spandau Während die meisten Berliner Schulen noch an ihrer Digitalstrategie basteln und mit Stichwortzetteln überlegen, wie sie Gelder aus dem Digitalpakt am besten einsetzen,  ist das Oberstufenzentrum TIEM in Spandau schon um einiges weiter. Die Oberschule mit den Schwerpunkten Technische Informatik, Industrie, Elektronik, Energie und Management wird ab dem kommenden Schuljahr bundesweit einmalig den bilingualen Abschluss „Internationales Digitales Abitur“ anbieten.

„Es ist relativ unerheblich, ob ich ein Fachbuch als Pdf lese, oder es als Hardcover in den Händen halte – das ist bei uns nicht mit Digitalisierung gemeint“, lacht Schulleiterin Sabine Venke. Hier geht es um mehr: Schüler fit machen für die Herausforderungen und Chancen einer digitalisierten Arbeitswelt. Auf der Webseite des Oberstufenzentrums TIEM ist an prominenter Stelle ein Imagefilm platziert. Mit treibender Streichermusik unterlegt, sind futuristisch anmutende Hologramme zu sehen. Ein sich drehendes Windrad, Roboterarme - hier greifen sie nach der Zukunft, assoziierte man wie gewünscht. Interessierst du dich für mobile autonome Roboter, Programmierung und Technische Informatik?,  wird gefragt – junge Menschen mit Computer- und Coding-Affinität, dürften jubeln. Yes! Hier sind dürftig ausgestattete Computerkabinette mit veralteter Software Schnee von gestern.

Voraussetzung ist allein  die Gymnasialempfehlung 

Seit die Nachricht von dem neuen Abschluss öffentlich wurde, hat Schulleiterin Sabine Venke schon einige konkrete Anfragen, dabei richtet die Schule erst am heutigen Samstag einen Tag der offenen Tür aus. Von 10 bis 14 Ihr führen Schüler durch Labore, erklären auf Englisch, wie es hier läuft.

Die Zielgruppe für den Internationalen Abi-Abschluss sind Kinder von Expats, die in Berlin in Zukunftsindustrien arbeiten, aber auch ganz normale Berliner Schüler oder Kinder geflüchteter Familien. Einzige Voraussetzung für die Zulassung ist die Gymnasialempfehlung der ISS oder die Versetzung in die 11. Klasse. Eine eins in Mathematik muss man nicht vorweisen und auch Aufnahmetests sind nicht vorgesehen, sagt Schulleiterin Sabine Venke.

Für den bilingualen Abiturlehrgang sollte man allerdings fit in Englisch sein: er beinhaltet Unterricht auf Englisch in den Fächern computer engineering (technische Informatik), smart robotics (mobile autonome Roboter), political sciences (Politikwissenschaften) und economics (Wirtschaft).

Fachtexte meist in Englisch 

Die Schule reagiert mit dem Angebot auch darauf, dass aktuelle Fachtexte zur technischen Informatik und zur Robotik zunehmend in englischer Sprache verfasst würden, so die Schulleiterin. „In Berlin gibt es jede Menge englischsprachiger Fachkräfte, die technisch interessierte Kinder haben.“ Langfristig geht es auch darum, dem Fachkräftemangel vorzubeugen.

Der Schulversuch ist zunächst auf fünf Jahre angelegt. „Doch wir gehen davon aus, dass das Angebot nach der Testphase in den Regebetrieb überführt wird“, so Venke. Zu Beginn hat das OSZ Kapazität für drei volle 11. Klassen, eine vierte könnte bei großer Nachfrage geöffnet werden. Nicht alle Schüler werden aber auch den neuen Abschluss machen. Neben dem neuen Zweig bietet das OSZ auch berlinweit einzigartig Leistungskurse in Elektrotechnik, Technischer Informatik, und Erneuerbaren Energien an.

Das OSZ TIEM im Bezirk Spandau befindet sich in unmittelbarer Nähe des vom Siemens-Konzern geplanten Zukunftscampus in der Siemensstadt. Der Zukunftscampus wird einen Schwerpunkt auf künstliche Intelligenz und Elektromobilität legen. Das Internationale Digitale Abitur soll Kompetenzen entwickeln, die geeignet sind für die Forschungszentren im Großraum Berlin.