Berlin - Bis die Schulen mit leistungsstarken Breitbandleitungen angebunden sind, sollen sie nun vorerst durch mobile Router mit Internet versorgt werden, das teilte die Senatsverwaltung am Mittwoch mit. Die Geräte sollen den Wechselunterricht erleichtern, indem die Schulstunden gestreamt werden können. Bis Freitag sollen die Schulen ihren Bedarf anmelden. Neben Sorgen über die Störanfälligkeit der Router stellen sich dabei auch Fragen des Datenschutzes.  

„Wir wollen unseren Schulen eine zügige technische Unterstützung bereitstellen, die eine pragmatische Zwischenlösung für die Glasfaseranbindung ist“, sagte Senatorin Scheeres (SPD). Ein Sprecher des Senats erläuterte auf Anfrage der Berliner Zeitung: „Es können bis zu 10.000 Geräte beschafft werden. Sie sind mobil und in der Nutzung so gedacht, dass sie im Lehrerzimmer sicher gelagert werden und bei Bedarf mit in den Unterrichtsraum genommen werden.“

Eine reichlich späte Ankündigung, findet Paul Fresdorf, Bildungspolitischer Sprecher der FDP. „Ein Jahr nach Beginn der Pandemie wird die Beschaffung von mobilen Routern angekündigt. Das ist, wie so oft, zu spät. Die Senatsverwaltung ist da einfach zu träge und zu langsam. Den Vorschlag, mobile Router zu beschaffen, um den Unterricht zu streamen, gab es schon vor einem Jahr. Da wurde uns gesagt, das sei technisch nicht machbar.“

Es sind noch viele Fragen zu klären, bevor die Geräte zum Einsatz kommen

Generell begrüßt Fresdorf die Ausstattung der Schulen mit solchen Geräten, auch wenn ungeklärt ist, wie störungsanfällig die Geräte sind. Das Tempo aber, in dem es in der Digitalisierung der Berliner Schulen vorangehe, sei ein echtes Problem. Auch die Router würden schließlich nicht morgen ans Netz gehen. „Da sind noch etliche Dinge zu klären. Neben dem Thema Datenschutz ist da auch die Frage nach den digitalen Endgeräten, mit denen die Lehrkräfte den Unterricht streamen werden. Diese brauchen eine vernünftige Kamera und gute Mikrophone. Ich frage mich einfach: Warum wird erst jetzt damit angefangen, einen digitalen Schulalltag herzustellen?“

Datenschutzrechtlich ist für das Streamen von Unterricht stets eine Einwilligung aller Beteiligten nötig, das heißt der Lehrer, Schüler und gegebenenfalls Eltern. Das gilt wohl auch, wenn Schüler auf den Aufnahmen nur zu hören sind. Für solche Einwilligungen gibt es Vorlagen, die die Lehrkräfte zu Beginn des Unterrichts austeilen könnten oder die Schüler von ihren Eltern ausfüllen lassen müssen. Zu klären bleiben darüber hinaus aber Fragen um die Sicherheit der Übertragung. Etwa wie gewährleistet sein wird, dass eine Übertragung des Unterrichts unzugänglich für Dritte ist. Tatsächlich scheinen noch viele Fragen offen. 

Auch das Vertrauen der Eltern in eine schnelle Umsetzung scheint eher gering. Auf dem Elternabend einer allgemeinbildenden Schule fiel im Gespräch über die Router der Satz: „Schön. Dann sind die Router sicher pünktlich zum Bachelorabschluss unserer Kinder in den Schulen angekommen.“