Ein schlechtes Halbjahreszeugnis ist kein Grund zum Verzweifeln.
Foto: imago images / Bernhard Classen

BerlinDie einen sehen’s entspannt, die anderen zittern: Am 31. Januar bekommen an 1035 Schulen 363.200 Schülerinnen und Schüler ihr Halbjahreszeugnis. Wie sollten Eltern mit schlechten Ergebnissen umgehen? Das Zwischenzeugnis ist mehr als eine Wasserstandsmeldung über die schulischen Leistungen: Bei Grundschülerinne und -schülern der 6. Klassen beispielsweise fließen die Noten mit in die Förderprognose ein, mit der sie an weiterführenden Schulen angemeldet werden. 

Eltern, die über den Schulalltag ihrer Kinder auf dem Laufenden sind, sollten schlechte Noten im Halbjahreszeugnis zwar nicht überraschen. Trotzdem kann es ein Schock sein, schwarz auf weiß zu sehen, dass der Notenschnitt beispielsweise nicht den Anforderungen der Wunschschule genügt.

Dagmar Wilde ist Oberschulrätin und in Berlin für die Grundschulen zuständig. Sich wegen der Wunschschule Druck zu machen, findet sie nicht entscheidend: „Ob ein Kind an einer Schule erfolgreich lernt, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab.“ Sie empfiehlt Gelassenheit. „Es sind ja nicht die Noten, die ein Kind liebenswert machen. Die Welt geht nicht unter, wenn im Zeugnis eine Vier oder auch mal eine Fünf steht.“

Mehrere Fünfen oder sogar Sechsen seien allerdings ein Hinweis, dass das Kind stärker unterstützt werden muss. Eltern sollten dann das Gespräch mit der Schule suchen. Lehrkräfte wissen, wo die gravierendsten Wissenslücken liegen, erstellen einen individuellen Lernplan und können Tipps geben, wie Eltern zu Hause helfen können.

Von Schimpfen oder Strafen bei schlechten Leistungen hält Wilde wenig: „Pädagogisch sind das nicht unbedingt sinnvolle Anreize, sich mehr Mühe zu geben.“ Sie hält klaren Strukturen und Vereinbarungen zwischen Eltern und Kindern für den besseren Weg, um Lernerfolge zu erzielen.

„Man macht zum Beispiel ab: Nach den Ferien setzt du dich jeden Tag zur gleichen Zeit an die Hausaufgaben. Und abends werden dann gemeinsam die Ergebnisse überprüft.“ Auch eine ruhige Umgebung ist wichtig – Ablenkungen wie Handy und Gamingkonsole sind in der Hausaufgabenzeit am besten gar nicht erst im Zimmer.

Die Senatsschulverwaltung wird auch in diesem Jahr am Zeugnistag zwischen 10 und 13 Uhr Sorgentelefone schalten. Eltern, Schülerinnen und Schüler haben dort die Möglichkeiten, sich mit Expertinnen und Experten zu beraten, egal, um welche Schulform es geht. Dagmar Wilde beantwortet unter 90227-5837 Fragen zu Grundschulen. Für ISS und Gemeinschaftsschulen lautet die Endung -5865, für Gymnasien -6356, für berufliche Schulen -5499 und für Förderschulen -5834.

Lina Orthmann besucht die 9. Klasse der Georg-Klingenberg-Schule und macht gerade ein Praktikum bei der Berliner Zeitung.