In vielen Kitas gibt es zu wenige Erzieher für zu viele Kinder.
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BerlinÜber die ungeheure Bedeutung der frühen Jahre ist schon viel geschrieben worden. Man weiß, wie schnell sich das menschliche Gehirn im Alter zwischen 0 und 6 Jahren entwickelt – und dass alles, was in dieser Zeit passiert oder eben nicht passiert, große Auswirkungen darauf hat, wie ein Kind später leben wird: Wie es Beziehungen führt, wie es lernt, arbeitet, wie es die Welt wahrnimmt und wie selbstbewusst es sich in seine Umgebung einmischen wird.

Deshalb ist jede Gesellschaft gut beraten, in diese frühen Jahre viel Liebe, Zeit und Geld zu investieren. Der berühmte Nobelpreisträger und Bildungsökonom James Heckman konnte zeigen, dass jeder Dollar, den man in die Frühförderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien investiert, ein Vielfaches an „Rendite“ bringt – und zwar rein ökonomisch betrachtet und noch unabhängig von der Überlegung, dass aus früh geförderten Kindern wahrscheinlich auch glücklichere Menschen werden. Nun leben wir in einer Gesellschaft, in der die Zwei-Verdiener-Ehe längst zur neuen Norm geworden ist. Und das bedeutet, dass ein wichtiger Teil der familiären Erziehungsaufgaben heute an Krippen und Kindergärten abgegeben wird.

Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie zur Personal-Not in deutschen Kitas niederschmetternd. In Berlin sind 84 Prozent der Kita-Kinder in Gruppen betreut, die keinen guten Betreuungsschlüssel haben. Und das bedeutet, dass die Erziehenden ihrem eigenen Bildungsanspruch oft nicht gerecht werden können. Weil sie einfach nicht genug Zeit haben, zuzuhören und geduldig auf die einzelnen Kinder einzugehen. Wir brauchen mehr Anreize für die Ausbildung neuer Fachkräfte. Nach dem quantitativen muss der qualitative Kita-Ausbau weiterhin ganz oben auf der politischen Agenda stehen.