Wenn an diesem Montag der Regelbetrieb in den Berliner Kitas eingeschränkt wird, ist das ein Kompromiss, der allen Beteiligten gerecht werden soll. Während das Ansteckungsrisiko und die Arbeitsbelastung für die Erzieherinnen und Erzieher durch feste Kleingruppen reduziert werden, können sich die Eltern immerhin auf eine Betreuungszeit von mindestens sieben Stunden verlassen.

Tatsächlich ist das Vorgehen von Bildungssenatorin Astrid Sabine-Busse angesichts der grassierenden Omikron-Variante durchaus sinnvoll. Das Problem ist nur: Wer nicht gerade im Homeoffice arbeiten kann und eine Vollzeitstelle, womöglich am anderen Ende der Stadt hat, kann die neuen Einschränkungen kaum in seinem (Arbeits-)Alltag auffangen. Die Bereitschaft vieler Eltern, die aus verkürzten Betreuungszeiten resultierende Mehrbelastung zu bewältigen, wird mit der neuen Regelung stillschweigend vorausgesetzt. Wieder einmal. Dazu passt das Angebot, dass auch Eltern für die Betreuung in den Kitas einspringen könnten, ganz so, als gäben sie ihre Kinder zum Spaß in die Einrichtungen – und als wären ausgebildete Erzieher in ihrer Tätigkeit beliebig austauschbar.

Eine kurzfristige Lösung wird es kaum geben: Zu klein ist der Spielraum vieler Eltern und ihrer Arbeitgeber, die hier gleichwohl nicht immer stark genug in die Mitverantwortung genommen werden. Und zu klein ist der Spielraum der Kitas mit ihrer oft dünnen Personaldecke. Hier muss Bildungssenatorin Busse ansetzen und den Ausbau der Berliner Kita-Landschaft beherzt und vor allem zügig weiterverfolgen. Mehr Personal würde nicht nur eine pandemiekonforme Betreuung ermöglichen. Es würde auch das in Vergessenheit geratene Problem entschärfen, dass die Kitaplatz-Suche in Berlin für viele Eltern noch immer eine Odyssee ist.