Schon im Kita-Alter werden die Weichen für den schulischen Erfolg gestellt.imago
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BerlinDie von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einberufene „Qualitätskommission“ hat am Mittwoch in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie erste Zwischenergebnisse präsentiert: Empfehlungen, um die Qualität der Berliner Kitas erhöhen, und zwar spezifisch mit Blick auf die Frage, ob die Einrichtungen den Kindern die besten Bedingungen bieten, um „schulreif“ in der Grundschule anzukommen.

„Erfolgreiche schulische Karrieren beginnen nicht erst in der Schule, sondern lange davor“, sagte Olaf Köller, Leiter des im Politbetrieb oft auch „Köller-Kommission“ genannten Experten-Gremiums. Zu den zentralen Empfehlungen der Kommission, die Yvonne Anders, Expertin für frühkindliche Bildung und Erziehung, vorstellte, gehört neben einer gezielten Fokussierung auf Kitas, in denen besonders viele Kinder Förderbedarf haben, deshalb auch eine gezielte Förderung der Jüngsten. Und zwar im Bereich Sprache und Mathematik, wie sie im Berliner Bildungsprogramm vorgesehen ist.

Ist das Lerntagebuch bald Geschichte?

Das Bildungsprogramm ist ein Rahmenprogramm für vorschulische Tageseinrichtungen, das es schon seit 15 Jahren gibt. Die Kommission empfiehlt nun allerdings, die Umsetzung des Programms für Kitas in diesen beiden Lernbereichen verbindlich zu machen, die Zeiten zu erhöhen, in denen die Erzieherinnen und Erzieher den Kindern Zahlen und Sprache näherbringen sollen, verbindliche Wochenpläne einzuführen und ihnen Materialien an die Hand zu geben, die sie für diese Förderung verbindlich nutzen sollen.

Interessant dabei: Vom so genannten „Sprachlerntagebuch“ scheint die Qualitätskommission wenig zu halten. Seit 2006 halten Erzieherinnen und Erzieher die Entwicklung jedes einzelnen Kitakindes in Büchern fest. Die Hoffnung war, dass durch die Dokumentation deutlich wird, in welchen Bereichen ein Kind stärker individuell gefördert wird. Die Kommission empfiehlt nun im ersten Entwurf ihrer Vorschläge, von dem Tagebuch Abstand zu nehmen und die Kinder stattdessen kurzen Tests zu unterziehen, auf deren Grundlage dann entschieden werden soll, wo sie stärker gefördert werden müssen.

Berliner Schüler schneiden regelmäßig schlecht ab

Den Erzieherinnen und Erziehern kommt das entgegen, glaubt Kommissionsleiter Köller: „Es ist die Analyse der Kommission, dass das Lerntagebuch auf begrenzte Begeisterung stößt, weil es unheimlich anspruchsvoll ist“, sagte Köller am Mittwoch. Die Kommission habe den Eindruck, der individuelle Förderbedarf der Kleinen könne mit einfacheren Instrumenten besser erkannt werden.

Scheeres hatte die Kommission im Sommer eingesetzt, nachdem der Landeselternausschuss in einem Brandbrief scharfe Kritik an der Situation der Bildungslandschaft in Berlin geäußert hatte. In Untersuchungen und Vergleichstests landen Berliner Schüler regelmäßig auf den hintersten Plätzen beziehungsweise mehrheitlich unter den von der Kultusministerkonferenz vorgegebenen Durchschnittswerten. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie erhofft sich von der Arbeit des Gremiums „konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Schulqualität“.

Beraten lassen soll sich die Expertenkommission außerdem von einer sogenannten Praxiskommission, der unter anderem Vertreter von Eltern, Schülerschaft, Schulleitungen und Schulaufsicht angehören. Zu den am Mittwoch vorgestellten Vorschlägen zum frühkindlichen Bereich soll diese zweite Kommission bis Mitte Januar Stellung nehmen. Erst dann werden die nun vorgestellten Empfehlungen in ihrer finalen Fassung ausformuliert. Mit gravierenden Änderungen rechnet die Expertenkommission allerdings nicht mehr.