Berlin will schon vor dem 1. August allen Kindern wieder Betreuungsangebote machen.
Bild: dpa

BerlinDie Kitas sollen doch schon deutlich früher als vor dem 1. August wieder in den Regelbetrieb zurückkehren. „Wir wollen und müssen in Berlin deutlich schneller sein als auf der Bundesebene“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Pressekonferenz zur Neuauflage der Berliner Eindämmungsverordnung am Dienstag. Durch die Lockerung der Eindämmungsverordnung müssten mehr Menschen wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren und seien auf Kinderbetreuung angewiesen. Müller verwies auch auf die große Zahl an Alleinerziehendenhaushalten in der Stadt – und auf die Tatsache, dass nicht alle Kinder zu Hause die beste Förderung erhalten. „Wir brauchen Kita und Schule als Orte der Bildungsvermittlung“, sagte Müller.

Wann wirklich alle Kinder zurück in die Kita können, ist allerdings noch unklar. Eine Konkretisierung kündigte Müller für die nächsten Tage an. Klar sei aber, dass es sich um einen „Stufenplan“ handele.

Was sich ab Montag ändert: Alleinerziehende haben erstmals Anspruch auf Notbetreuung, auch wenn sie nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten. Außerdem dürfen Familien sich ab jetzt zusammentun: „Eine private Betreuungshilfe für bis zu drei Kinder soll wieder möglich sein“, so Müller.

In der Kita-Notbetreuung werden außerdem die Regelungen für Eltern aus systemrelevanten Berufen weiter gelockert: Die Ein-Eltern-Regelung, die bisher nur für einige Berufe galt, wird jetzt auf alle systemrelevanten Berufe ausgeweitet. Das bedeutet, dass Kinder auch dann Anspruch auf Notbetreuung haben, wenn nur eins ihrer Elternteile in einem solchen Beruf arbeitet. Außerdem wird auch die Liste der systemrelevanten Berufe an sich erweitert: Neu dazu kommen laut Senatsschulverwaltung Berufe wie Logopäde sowie Zahntechniker.

„In einem weiteren Schritt sollen die Kinder, die im Sommer in die Schule gehen, in die Kitas zurückkommen“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Auch für die Kitas und Kindertagespflegen gibt es Lockerungen: So dürfen Erzieherinnen und Tagesmütter mit ihren Kleingruppen ab Montag wieder nach draußen gehen. Das soll den Betreuungsstellen den Alltag erleichtern, die keine eigenen Außenanlagen und Gärten haben.

Wann die Spielplätze wieder öffnen, ist derzeit allerdings noch unklar: Der Senat hat dazu keine Regeln erlassen, die Schließung der Spielplätze hatten die Bezirke in Eigenregie beschlossen. Die Bezirksbürgermeister wollen sich am Donnerstag über die Details einer möglichen Wiedereröffnung verständigen.

Die Nachricht, dass der Regelbetrieb der Kitas bundesweit erst am 1. August wieder aufgenommen werden könnte, hatte in der vergangenen Woche unter Eltern für Entsetzen gesorgt. Katharina Mahrt von der Berliner Initiative „Kitakrise“ sagte: „Meine Erschöpfung hat sich auf einen Schlag verdoppelt, als ich das gehört habe.“ Mahrt steht wie viele andere Eltern vor dem Problem, dass sie keinen Anspruch auf entschädigte Freistellung von ihrer Arbeit hat, weil Kinderbetreuung im Homeoffice als zumutbar gilt. „Es war aber nicht zumutbar“, sagte Mahrt. Die junge Mutter hat deshalb eine Online-Petition initiiert, in der sie ein „Corona-Kindergeld“ von 1000 Euro fordert, damit Eltern Arbeitsstunden reduzieren oder sich eine private Betreuung organisieren können, und innerhalb weniger Tage mehr als 30.000 Unterschriften gesammelt. Auch unter dem Hashtag #Coronaeltern machen sich auf Twitter derzeit viele Luft:

Auch der Landeselternausschuss Kita berichtet, dass viele Eltern sich am Rande ihrer Kräfte befinden. Eine Umfrage, die das Gremium unter 1000 Eltern durchgeführt hat, habe aber ein durchaus heterogenes Stimmungsbild zutage gefördert, berichtet die Vorsitzende Corinna Balkow: „Das liegt daran, dass Berliner Eltern in sehr unterschiedlichen Sitationen leben. Familien in einem Haus im Garten sind bequemer dran als Eltern in einem Hinterhof in Neukölln, die kaum vor die Tür gehen können.“ Etwa die Hälfte wünscht sich laut der Umfrage finanzielle Unterstützung. „Auch für geöffnete Spielplätze und oder auch nur einen Tag Kita pro Woche wären viele dankbar“, sagt Balkow. Dann wiederum gäbe es andere, die eine zu schnelle Wiedereröffnung der Kitas fürchten, aus Angst vor möglicher Infektion. „Wir brauchen flexible Lösungen“, sagt Balkow, „für ein Einheitsprogramm ist die Berliner Elternschaft zu divers“.

Ein Corona-Kindergeld, wie es auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fordert, in Berlin bislang nicht geplant. Wie die Senatsbildungsverwaltung am Dienstag mitteilte, sollen Eltern aber die Gebühren für die Ganztagsbetreuung in Schulen für den Monat April zurückerhalten, sofern sie nicht von der Notbetreuung profitieren. Die Beiträge werden voraussichtlich erst ab September wieder erhoben. Kita-Eltern sollen die monatliche Mittagessensbeteiligung von 23 Euro ab Mai nicht mehr bezahlen müssen.